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Aus für Corridas auf den Balearen

Nach den Kanarischen Inseln 1991 und Katalonien 2010 haben nun auch die Balearischen Inseln die blutigen Stierkämpfe verboten.

Rund 5000 Stierkampfanlässe finden gemäss der Nachrichtenagentur Europa Press jedes Jahr in Spanien statt. Die Corridas scheinen also nach wie vor beliebt. In Wahrheit nimmt aber die Zahl der Veranstaltungen, der Zuschauer und der Fernsehübertragungen stetig ab. Unter 35-Jährige interessieren sich kaum noch für den Stierkampf, und auch die wachsende spanische Tierschutzbewegung trägt dazu bei, dass die Spektakel an Popularität verlieren.

Aufgrund eines 2013 von der konservativen Zentralregierung erlassenen Gesetzes, das Corridas als «kulturelles Erbe» schützt, dürfen Stierkämpfe in Spanien im Grunde nicht verboten werden. Das Parlament der Balearen hat diese Bestimmung umgangen, indem es nicht die Kämpfe an sich, sondern alles, was sie ausmacht, verboten hat: Die Stiere dürfen nicht mehr getötet werden, die Toreros dürfen keine spitzen Banderillas und die zu Pferd sitzenden Picadores keine Lanzen mehr verwenden. Ausserdem dürfen in den Arenen keine alkoholischen Getränke mehr verkauft werden, und es sind nur noch Zuschauer ab 18 Jahren zugelassen. Damit das Durchführen einer Corrida noch unattraktiver wird, haben die Behörden zudem die Auflagen drastisch verschärft: Die Stiere müssen auf einer Balearen-Insel gezüchtet worden sein, was eher selten der Fall ist, die Toreros müssen sich einer Dopingkontrolle unterziehen und die Tiere müssen nach dem Kampf tierärztlich untersucht werden.

Katalanisches Stierkampfverbot 2016 aufgehoben

Das zuvor in der Region Katalonien eingeführte Stierkampfverbot hatte zu einer heftigen juristischen Auseinandersetzung geführt. Eine Mehrheit der regionalistischen und grünen Regionalparlamentarier befand 2010, dass die Corridas mit den grundlegendsten Tierrechten unvereinbar sind, und verabschiedete ein generelles Stierkampfverbot für Katalonien. Nach einer Beschwerde der spanischen Regierungspartei Partido Popular erklärte das Verfassungsgericht das katalanische Verbot nach langem juristischem Hin und Her im November 2016 für rechtswidrig und hob es auf.

Doch die sechs Jahre ohne Corridas scheinen das Problem bereits endgültig gelöst zu haben. Die meisten Stierkampfarenen werden inzwischen anderweitig genutzt, einige sogar als Shoppingcenter. Das Publikum hat sich längst anderen, tierfreundlicheren Traditionen zugewandt, wie etwa den Menschenpyramiden der Castellers. Einzig in der Arena La Monumental in Barcelona könnten wieder Stierkämpfe stattfinden. Doch der öffentliche und mediale Druck sowie die fehlende Rentabilitätsgarantie haben dies bisher verhindert.

Luc Fournier