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Der Preis Naef 2015 geht an Dr. Christophe Mas

Zum 15. Mal wurde am 14. März 2015 im Hotel Bristol in Genf der Prix Naef verliehen. Dr. Christophe Mas vom Unternehmen Oncotheis wurde für seine Arbeit im Bereich von In-vitro-Methoden zur Lungentumorforschung geehrt.

Lungenkrebs ist eine Erkrankung mit besonders verheerenden Folgen, da sie oft zu spät erkannt wird, wenn sich bereits sehr aggressive Sekundärtumoren (Metastasen) gebildet haben. Jedes Jahr sterben über eine Million Menschen an Lungenkrebs. Trotz über 30-jähriger Forschung, Investitionen in Milliardenhöhe und Millionen von Tierversuchen ist es der Pharmaindustrie bis heute nicht gelungen, wirksame Therapien zu entwickeln.

Medikamente in der Entwicklung werden hauptsächlich an Mäusen und Ratten getestet, deren Erbgut so verändert wurde, dass sie besonders oft an Krebs erkranken, oder denen menschliches Tumorgewebe implantiert wird, um die Krebserkrankung zu simulieren. Doch die Krebszellen entwickeln sich bei den Nagetieren nicht gleich wie beim Menschen, und ein grosser Teil der getesteten Medikamente versagt bei den nachfolgenden klinischen Studien mit Krebspatienten. Lungenkrebs ist nach wie vor die tödlichste Krebsart. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt unter 14 Prozent.

Es müssen dringend neue Forschungsmodelle entwickelt werden, mit denen sich die Erkrankung und ihr Umfeld genauer nachbilden lassen. Oncotheis hat hierfür ein In-vitro-Lungenkrebsmodell entwickelt, das ausschliesslich aus menschlichen Tumorzellen hergestellt wird. Diese Gewebe mit dem Namen OncoCilAir bilden ein genaues Modell von einigen Quadratmillimetern Atemwegsepithel, in dem sich Mikrotumoren entwickeln.

Das OncoCilAir-Modell hat zahlreiche Vorzüge. Da es zu 100 Prozent aus menschlichem Material besteht, können die gewonnenen Daten direkt auf Patienten übertragen werden. Es ist dreidimensional, so dass die Interaktionen zwischen Tumor und Mikroumgebung erhalten bleiben und die In-vivo-Situation simulieren. Als ganzheitliches Modell kombiniert es Tumorzellen mit normalen Zellen. Dadurch können bei neuen Therapien gleichzeitig die Wirkung auf die Tumoren und allfällige toxische Wirkungen auf das gesunde Gewebe getestet werden. Da das Modell in einem Inkubator bei 37 °C mehrere Monate funktionsfähig bleibt, eignet es sich zudem für Tests mit wiederholten Medikamentengaben zur Untersuchung der langfristigen Tumorentwicklung.

Luc Fournier