Ursprünge der Tierversuche
Die ersten Zeugnisse der Vivisektion stammen von
griechischen Wissenschaftlern und sind rund 2500 Jahre alt. Im Laufe
der Jahrhunderte führten Ärzte die verschiedensten Tierversuche
durch. Gliedmassen wurden seziert und Organe zerstört, um die
Auswirkungen solcher Verstümmelungen am Organismus zu untersuchen.
Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgten alle Versuche ohne
Anästhesie.
1865 machte der französische Physiologe Claude
Bernard mit seiner "Introduction à l'étude de la médecine
expérimentale" („Einführung in das Studium der
experimentellen Medizin“) auf sich aufmerksam. Sein Werk sorgte
dafür, dass Tierversuche in wissenschaftlichen Kreisen anerkannt
wurden.
Die schrecklichen Verstümmelungen, die Bernard in Kellern an lebenden
Hunden und Katzen vornahm, sorgten für zahlreiche Publikationen
und werden noch heute von vielen Wissenschaftlern verteidigt. Trotzdem
zeigen verschiedene Zeitdokumente, dass sich die meisten Vertreter der Ärzteschaft
von den grausamen Methoden abgestossen fühlten. Bernard beklagt
sich übrigens mehrfach über „die Vorurteile der Leute
aus dem Volk und die Utopien der Tierschützer“. Diese bezichtigt
er der Gefühlsduselei und wirft ihnen vor, sie wollten die Versuche
an Hunden und Katzen verhindern, die vor seinem Labor herumstreunten.
Bedauerlicherweise findet Claude Bernard unter den Anhängern der
Tierversuche an den Universitäten bis heute Nacheiferer. In Lyon
wurde sogar eine Universität nach ihm benannt.
Menschliche Versuchskaninchen
Die menschliche Grausamkeit richtete sich aber nicht nur gegen Tiere.
Während der ganzen Zivilisation dienten auch Menschen stets als „Versuchskaninchen“.
Die letzten breit angelegten Versuche an Menschen führte der berüchtigte
deutsche Arzt Josef Mengele von 1943-45 im Konzentrationslager Birkenau
im polnischen Auschwitz durch.
Mengele interessierte sich insbesondere für Zwillinge. Diese wurden
bei ihrer Ankunft im Lager aussortiert und in speziellen Baracken untergebracht.
Der KZ-Arzt versuchte unter anderem, die Augenfarbe durch Injektion verschiedener
Produkte direkt ins Auge zu verändern. In mindestens einem Fall
wollte er künstlich siamesische Zwillinge „herstellen“,
indem er die Venen eines Zwillingspaares miteinander verband. Die Überlebenden
solcher Versuche wurden meist umgebracht und anschliessend seziert.
Ebenfalls während dem Zweiten Weltkrieg
führte der Japaner Fukujiro Ishiyama zahlreiche Versuche an chinesischen
und koreanischen Häftlingen und insbesondere ihren Kindern durch. |