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September 2008 - Grundlagenforschung
 
Ein System, das Innovationen in keiner Weise fördert

Die Wissenschaftler unserer Universitäten zeichnen sich nicht gerade durch ein ausgeprägtes Interesse an der Entwicklung von Alternativmodellen aus. Allerdings unterstützt das System, in dem sie sich bewegen, zwar die Forschung, fördert aber Innovationen in keiner Weise.
Die Professoren selber verfügen wohl über einen Lehrstuhl, der ihnen ein anständiges Salär sichert. Alle übrigen Wissenschaftler müssen sich aber ständig um Finanzierungsquellen bemühen, um ihre Projekte sichern zu können. Forscher gibt es viele – mit den Finanzen hapert es aber ständig. Ein Grossteil der Wissenschaftler muss sich deshalb mit den zahlreichen schlecht bezahlten Assistenzstellen (1) begnügen.

Publizieren oder untergehen

Wer sich aus der breiten Masse der Wissenschaftler abheben möchte, muss das Motto „Publish oder perish“ befolgen. Karriere und Möglichkeiten zur Finanzierung der eigenen Forschung hängen von der Anzahl Publikationen (2) eines Wissenschaftlers ab.
Das Wettrennen um die Publikation von Artikeln beginnt nach dem dritten Studienabschnitt. Wenn ein Doktorand in der Zeitschrift Science oder Nature einen Artikel veröffentlichen kann, ist sein Posten an der Universität seiner Wahl schon fast gesichert. Wenn er während dieser Zeit wiederum einen oder mehrere Artikel veröffentlichen kann, wird er eine Stelle als Assistenzprofessor erhalten. Publiziert er in den fünf darauf folgenden Jahren nichts mehr, kann er das Ganze vergessen. Ein renommiertes Labor (ein Labor, das publiziert) wird ihn nicht mehr anstellen, denn ein solches ist auf Publikationen angewiesen, um gute Mitarbeitende und ausreichende Finanzen zu erhalten.

Um publizieren zu können, müssen aber Artikel vorgelegt werden, die bei den Mitgliedern der Verlagsvorstände dieser Zeitschriften auf Interesse stossen. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Wissenschaftler, die ebenfalls im Rahmen öffentlicher Institutionen in der Forschung tätig sind. In solchen Fällen ist es somit besser, in klassischen Bereichen tätig zu sein und sich nicht auf Neuland vorzuwagen. Dies umso mehr, da bei den beiden erwähnten Zeitschriften 80% der Artikel schon nach einer ersten Lektüre abgelehnt und nur 5% tatsächlich publiziert werden.

Ein Wissenschaftler, der Alternativmethoden verwendet, publiziert somit nicht oder nur wenig. Wer nicht publiziert, erhält aber kein Geld.
Dies erklärt zweifellos, warum die meisten Forscherteams an den Universitäten unseres Landes – sei es nun in Zürich, Bern, Lausanne oder Genf – auf den gleichen Gebieten tätig sind und in etwa die gleiche Arbeit leisten. Die Universitäten werden so zu einem hartnäckigen Konkurrenzkampf gezwungen. Um die Zahl der jährlich erscheinenden Publikationen zu erhöhen (3), müssen sie renommierte Professoren einstellen, die horrende Saläre beziehen.

Somit ist es nicht weiter erstaunlich, dass unser Land im Bereich der Forschung mit Alternativmethoden nicht sehr innovativ ist. Während die Europäische Union alternative Forschungsprogramme auf die Beine stellt, die mit mehreren Dutzend Millionen Euros dotiert sind, beläuft sich das in der Schweiz (4) für die gleichen Studienbereiche jährlich zur Verfügung stehende Budget auf lächerliche 800'000 Franken.

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Anmerkungen :

(1) Eine 1997 durchgeführte Zählung ergab, dass an den Schweizer Universitäten rund 24'000 Assistenten angestellt sind.

(2) Weltweit gibt es rund 4500 wissenschaftliche und medizinische Zeitschriften (in Papierform).
Im wissenschaftlichen Bereich sind Science und Nature führend.
Zu den wichtigsten Publikationen im medizinischen Bereich gehören (ihrer wissenschaftlichen Bedeutung nach): The New England Journal of  Medicine, The Lancet, JAMA (Journal of American Medical Association), Annals of Internal Medicine und British Medical Journal.

(3) Bei der weltweiten Klassierung der „besten“ Institutionen wird von der Anzahl wissenschaftlicher Publikationen im Vergleich zum Jahresbudget einer Universität ausgegangen.

(4) Die 1987 in der Schweiz gegründete Stiftung Forschung 3 R wird von der öffentlichen Hand (und insbesondere vom Bundesrat) damit beauftragt, die Alternativforschung in der Schweiz (im Sinne der 3 R Reduction – Refinement – Replacement beziehungsweise Vermindern - Verbessern - Vermeiden) voranzutreiben. Mit einem durchschnittlichen Jahresbudget von Fr. 800'000.- konnte sie während ihrer zwanzigjährigen Tätigkeit nur rund hundert Projekte unterstützen. Im Vergleich dazu werden in unserem Land jährlich 850 neue Bewilligungen für Tierversuche ausgestellt.


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