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5. und 6. Dezember 2014 – Telethon

Telethon und Tierleid

Anlässlich der 27. Ausgabe des Telethons, der Schweizer Spendenaktion für die Erforschung von seltenen Erbkrankheiten, lenken wir das Augenmerk auf die Versuchstiere. Man sieht sie nicht – und doch sind sie es, die mit den grosszügigen Spenden der Bevölkerung krank gemacht werden.

Wohin gehen die Spenden?

Im Jahr 2013 kamen bei der Schweizer Spendenaktion über zwei Millionen Franken zusammen. Die Hälfte (!) der Spendengelder geht an die Organisation Telethon, die andere Hälfte wird in die Forschung investiert. Um welche Art von Forschung geht es dabei? Die Telethon-Website hält sich nicht lange mit unangenehmen Einzelheiten auf und beschreibt direkt die klinischen Studien mit Patienten. Dabei verschweigt sie bewusst die wichtigste Studienphase: diejenige der Tierversuche.
Wer darüber mehr erfahren will, muss schon die Publikationen der wichtigsten Spendenempfänger konsultieren, etwa der Schweizerischen Stiftung für die Erforschung der Muskelkrankheiten, und nach Überschneidungen mit den Tätigkeitsberichten von Telethon suchen. So viel zum Thema Transparenz ...

In der Schweiz werden die meisten Telethon-Studien mit Tieren, hauptsächlich mit Nagetieren oder Nagetierzellen, durchgeführt. Warum nicht menschliche Zellen verwendet werden, ist rätselhaft. Mit den Spenden aus dem Jahr 2013 wurden vier Forschungsprojekte auf dem Gebiet der neuromuskulären Erkrankungen lanciert: zwei an der Universität Genf, eines an der Universität Bern und eines in Basel. Zudem wurde ein Projekt im Bereich Cystische Fibrose an der Universität Zürich unterstützt.

Hunde mit angezüchteter Muskelkrankheit

Doch in den von Telethon finanzierten Studien kommen nicht nur Nager zum Einsatz. Die französische Journalistin Audrey Jougla erhielt im Rahmen ihrer Diplomarbeit über Tierversuche Einblick in die Arbeit von mehreren Forschungsinstituten. Darunter war die Hochschule für Veterinärmedizin in Maisons-Alfort bei Paris, die für ihre Forschung Hunde einsetzt, bei denen eine Muskelkrankheit herbeigezüchtet wurde. Einer der Forscher scherzte, dass er lieber nicht «an der Stelle der Hunde» sein möchte. Man kann ihn verstehen. Die Hunde können nicht mehr fressen und werden über eine Sonde ernährt. Sie können nur mit Mühe atmen und sich fortbewegen. Einige Welpen wirken wie Roboter und bleiben schon nach wenigen Schritten völlig ausser Atem stehen.

Telethon Schweiz verkaufte 2012 als Maskottchen einen Golden-Retriever-Plüschhund. Wie viele Spender, die das Plüschtier für 15 Franken erstanden, wussten wohl, dass es sich dabei auch um die beliebteste Versuchshunderasse bei der Erforschung von Muskelkrankheiten handelt? Der Plüschhund «Jim» konnte immerhin noch Sitz machen …

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Die Hundezuchtstation CEDS

Die muskelkranken Hunde, die an der Hochschule für Veterinärmedizin in Maisons-Alfort eingesetzt werden, kommen allesamt aus der Zuchtstation CEDS (Centre d’élevage du domaine des Souches) in Mézilles, einem Dorf im französischen Départment Yonne, nahe bei dessen Hauptort Auxerre. Der seit den 1980er-Jahren bestehende Zuchtbetrieb ist im Besitz der Familie Carré. Er ist Frankreichs wichtigster Lieferant von Laborhunden. Der Betrieb wurde ursprünglich für 500 Zuchthündinnen und ihre Welpen eingerichtet. Heute verkauft er jedes Jahr mehrere Tausend Hunde. Welpen, die keine Abnehmer finden, und zu alt gewordene Zuchttiere werden getötet und vor Ort verbrannt.

Die Hunde werden im Alter von vier bis zwölf Monaten an Labors verkauft, wo sie hauptsächlich für Toxizitätstests eingesetzt werden. Das CEDS produziert unter anderem Golden Retriever mit Muskeldystrophie Duchenne (GRMD), das heisst, Hunde, die Träger des für diese Krankheit verantwortlichen Gendefekts sind.

Nachdem die Zuchtstation 2010 der Misshandlung von Tieren beschuldigt wurde, demonstrieren Organisationen und Aktivisten jedes Jahr gegen den Betrieb und verlangen seine Schliessung (2). Jean-Claude Witrant, ein ehemaliger CEDS-Mitarbeiter, war fünf Jahre lang für den Zuchtbetrieb tätig. Er berichtet, dass es strikt verboten war, die Hunde zu streicheln, damit sie sich nicht eingewöhnten.

http://www.fermons-le-ceds.org/

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Auszüge aus einer Dissertation, die an der Hochschule für Veterinärmedizin Ecole Nationale Vétérinaire d’Alfort im französischen Maisons-Alfort bei Paris durchgeführt wurde.

Graduiertenkolleg Life Sciences und Gesundheit – SVS 402 Doktorat in Pathophysiologie, Inès Barthélémy

Entwicklung von Evaluationsinstrumenten für den GRMD-Hund, ein präklinisches Modell der Muskeldystrophie vom Typ Duchenne

Dissertation vom 17. Dezember 2010

Danksagung

Ich danke dem gesamten CEDS-Team, Nathalie, Franck, Cécile, David, Herrn und Frau Carré und allen anderen ... für ihre Arbeit und die Produktion von GRMD-Hunden in den letzten Jahren. Sie haben die Durchführung dieser Dissertation mit der nötigen Anzahl Hunde erst möglich gemacht.

(…) Nur zehn der 24 beteiligten GRMD-Hunde konnten bis zum Alter von neun Monaten beobachtet werden. Von den übrigen 14 Hunden haben zehn ihre Bewegungsfähigkeit bereits vor dem sechsten Lebensmonat vollständig verloren und mussten eingeschläfert werden, da sie permanent immobil waren. Zwei weitere (Ercule und Dlire) starben kurz vor Studienende an Bronchopneumonie. Der Hund Dmo starb im Alter von fünf Monaten an Störungen des Verdauungssystems infolge Einklemmung des Duodenums durch den Hiatus oesophageus nach der chirurgischen Behandlung einer Hiatushernie mit Einklemmung des Magens. Der Hund E. T. schliesslich starb infolge Herz-/Atemstillstand bei der Anästhesieeinleitung zum Zwecke einer Gastrostomie. Diese Massnahme zur Ernährung der Tiere wurde an 14 der 24 Hunde vorgenommen, darunter waren neun der zehn Hunde, die ihre Bewegungsfähigkeit vollständig verloren hatten.

https://tel.archives-ouvertes.fr/file/index/docid/630718/filename/th2010PEST0012-2.pdf

 


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