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Öffentliche Gelder für Tierversuche. Mehr Transparenz

In ihrer parlamentarischen Initiative Nr. 11.1085 befragte die Basler Nationalrätin Maya Graf den Bundesrat zur öffentlichen Finanzierung von Tierversuchen in der Schweiz und forderte mehr Transparenz bei der Bewilligung solcher Gelder.

Maya Graf wies darauf hin, dass fast die Hälfte der Tiere (275'252 der 761'675 im Jahr 2010 Verwendeten) von Universitäten, Spitälern und Eidgenössisch Technischen Hochschulen verwendet wurden:
„Zusammenfassend lässt sich sagen, dass offensichtlich mehrere Hundert Millionen Franken Steuergelder in Tierversuche und Hochschul-Labortierhaltungen fliessen, ohne dass dies transparent gemacht wird. Schockierend ist überdies, dass gerade die Labortierhaltung mit ihren Haltungsbedingungen, die im Vergleich zu den gesetzlichen Bestimmungen zur Heimtierhaltung wesentlich schlechter sind, sowie die in der Kritik stehende Zucht gentechnisch veränderter Tiere zur Hauptsache mit Steuergeldern finanziert werden. Hingegen fliesst nur ein begrenzter Anteil von etwa 400 000 Schweizerfranken jährlich in die Förderung von Alternativ- bzw. Ersatzmethoden.“

Jährliche Kosten der Labortierhaltungen und ETHs: 83 Millionen

In seiner Antwort vom 9. Dezember 2011 erklärte der Bundesrat, in einem 2009 verfassten Bericht der eidgenössischen Finanzkontrolle, bei dem 39 Forschungsprojekte mit Tierversuchen ausgewertet wurden, sei erstmals eine Kostenabschätzung vorgenommen worden: „Die Gesamtkosten für Tierhaltungen werden hierbei auf jährlich rund 82 Millionen Franken geschätzt, wovon der Bund durch Direktbeiträge an die beiden ETH und die Universitäten rund 33 Millionen Franken trägt, während die übrigen Kosten durch Kantone (25 Millionen Franken) sowie durch kompetitive Förder- und weitere Drittmittel finanziert werden.“
33 und 25 Millionen ergeben allerdings 58 Millionen. Zudem wird bei dieser Abrechnung nicht auf die Herkunft der übrigen 24 Millionen eingegangen. Soll dies etwa bedeuten, dass unsere Universitäten den Betrag mit ihren eigenen Mitteln finanzieren? Die Studierenden, deren Studiengebühren regelmässig steigen, werden dies bestimmt schätzen. Auch die Steuerzahler können sich darüber freuen, dass 83 Millionen unserer Steuergelder für die Haltung von Labortieren an den Hochschulen verwendet werden.

Öffentliche Gelder zur Finanzierung überflüssiger Versuche und
von Gehältern der Forschenden

Weiter weist der Bundesrat darauf hin, dass 92% der Tiere für Projekte in der Grundlagenforschung verwendet werden. Solche Studien dienen nicht dazu, neue Medikamente zu entwickeln. Die Wissenschaftler versuchen vielmehr, auf eine bestimmte Frage eine Antwort zu finden. Ob die Antwort überhaupt von Interesse ist, ist ein anderes Thema. Tausende von Studien werden so finanziert und führen zu Tausenden von wissenschaftlichen Publikationen, mit denen niemand wirklich etwas anfangen kann.
Trotz allem bleibt die Vivisektion auch weiterhin der Gral der Forschenden: Im Bereich der freien Grundlagenforschung förderte der SNF im Jahr 2008 insgesamt 488 Projekte und im Jahr 2009 521 Projekte, die Tierversuche umfassten (mit Fördermitteln von 74,8 Millionen bzw. 76,2 Millionen Franken). Ein Grossteil dieser Fördermittel (49,7 Millionen im Jahr 2008 und 52,8 Millionen Franken im Jahr 2009) ging an Saläre vornehmlich von Doktorierenden und anderen jungen Forschenden. Der Rest verteilte sich auf Reisekosten, Apparate, Labormaterial sowie Kosten für Tierhaltung und Tierversuche.“

Geplante Kosten für Investitionen in Labortierhaltungen (2009 bis 2013):
65,5 Millionen Franken

Trotz der budgetierten astronomischen Kosten gibt der Bundesrat zu, vom Geschehen in den Labortierhaltungen keine Ahnung zu haben. Dies aus einem recht einfachen Grund: Obwohl alle Labortierhaltungen und Labortierzuchten bewilligungspflichtig sind, erfolgt zurzeit keine zentrale Erfassung der Zahl der bewilligten Labortierhaltungen und der darin gehaltenen Tiere.“

Alternativmethoden: Bundesrat mit sich selber zufrieden

„Eine Umfrage über die Verwendung von Gewebekulturen, die heute wichtigste Ersatzmethode zu Tierversuchen, zeigt, dass die Forschung heute oft nach dem Grundsatz von 3R (refine, reduce, replace; auf Deutsch: verbessern, reduzieren, ersetzen) arbeitet. Von 101 im Frühling 2010 vom SNF geförderten Projekten im biomedizinischen Forschungsbereich beinhalten 60 Projekte Arbeiten mit Zellkulturen, 53 sehen Tierversuche vor. Bei einer Mehrheit der 53 Projekte mit Tierversuchen werden beide Ansätze kombiniert oder ergänzend eingesetzt“, teilt der Bundesrat mit.
In Tat und Wahrheit gibt der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) zu, kein Projekt zu finanzieren, welches die Entwicklung neuer Alternativmethoden anstrebt. Seiner Ansicht nach handelt es sich um keinen Forschungszweig, der „Exzellenz“ fördert. Tatsächlich leben die Fachleute des SNF, die entscheiden, welche Projekte unterstützt werden oder in den Papierkorb wandern, grösstenteils von Tierversuchen. Es wäre überraschend, wenn sie einem Forschungszweig „Exzellenz“ zugeständen, der sie rasch arbeitslos machen würde.
Die Forscher, die bei ihren In-vitro-Studien vom SNF unterstützt werden, stellen die geltende Ordnung nicht in Frage. Die verwendeten Zellkulturen stammen meistens von Tieren, welche für diese Versuche getötet wurden, da der In-vitro-Träger für die Verwendung ganz einfach billiger ist. Schliesslich sind die vom SNF finanzierten In-vitro-Projekte oftmals nur vorbereitender Teil einer Studie, welche anschliessend im Tierversuch weitergeführt wird und wofür erneut finanzielle Unterstützung verlangt wird.

Tierversuche sind keine wissenschaftliche Notwendigkeit. Sie gehören zu einem System das einer handvoll Wissenschaftlern ein fürstliches Leben auf Kosten der Steuerzahler ermöglicht. Medizinische Fortschritte bleiben auf der Strecke.


Stiftung Forschung 3R - Expertin im Nichts

Einmal mehr lobt der Bundesrat die Tätigkeit der Stiftung Forschung 3R, einer Zwitterschöpfung des Bundes und der Schweizer Pharmaunternehmen. In Artikel 22 des Tierschutzgesetzes (TSchG) wird der Bundesrat aber aufgefordert, die Entwicklung von Alternativmethoden zu unterstützen. Dieser Verpflichtung entledigt er sich, indem er der Stiftung, die 2010 sieben Projekte unterstützte, pro Jahr ca. 400‘000 Franken gewährt. Verglichen mit den 1‘197 neuen Tierversuchen, die während der gleichen Zeit bewilligt wurden, ist dies erbärmlich. Trotz dieses läppischen Betrages, im Vergleich zu den Hunderten von Millionen, die für Tierversuche ausgegeben werden, lässt der Bundesrat verlauten: Über Forschung und Innovation im Bereich 3R ausserhalb der Finanzierung durch die Stiftung liegen keine Zahlen vor.“  Was für eine Lüge, aber wen kümmerts? Andere Daten stehen nicht zur Verfügung, aus dem einfachen Grund, weil Ersatzmethoden in der Schweiz nicht unterstützt werden.

Ein System in vollem Gang

In der öffentlichen Forschung stellt die Vivisektion ein Funktionssystem dar. Noch vor der Entwicklung neuer Medikamente trägt das System zur Karriere und zu den Löhnen der Forschenden bei, die davon profitieren. Dabei werden enorme Ressourcen verschwendet. Angesichts der unnötigen Leiden, welche für die Tiere damit verbunden sind, ist dies eine Schande. So lange sich die Öffentlichkeit dieses Funktionssystems nicht bewusst ist, wird sie Informationen im Stile von „Die Verwendung von Tieren ist für die Forschung von grundlegender Bedeutung“ oder „Ohne Tiere sind keine medizinischen Fortschritte möglich“ stets schlucken.

Wir sind auf Forschende angewiesen, welche die menschlichen Krankheiten an menschlichem Material untersuchen und dafür Gewebe, Zellen oder andere Informatikmodelle verwenden. Forscher, die an Mäusen zum tausendsten Mal das Protein X untersuchen, weil im Vorfeld 999 Studien widersprüchliche Resultate lieferten, sind nicht von Interesse. Unsere Steuergelder haben nicht zur Aufgabe, Ruhgehälter oder gehobene Löhne bis zur Pensionierung zu finanzieren.


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