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September 2014

Keine schizophrenen Affen in Zürich!

Im Jahr 2009 verbot das Bundesgericht Tierversuche mit Primaten am Institut für Neuroinformatik der ETH und der Universität Zürich. Nun will das Institut die Studien an Affen wieder aufnehmen. Zumindest, wenn es nach dem Wunsch der Forscher geht, die bei der kantonalen Bewilligungsbehörde ein Gesuch für Tierversuche mit – vorerst – «zwei bis drei» Rhesusaffen eingereicht haben.

«Unsere Fragestellungen haben grosse Relevanz für viele psychische Krankheiten des Menschen», sagt Valerio Mante, der Leiter des Forschungsprojekts, im Tages-Anzeiger vom 19. September 2014.
«Und wir werden auch transparenter kommunizieren, um unseren Kritikern zu zeigen, dass wir das Wohl der Tiere sehr ernst nehmen.»

Statt transparenter Kommunikation eine Mauer des Schweigens

Laut dem Forscher soll die Schädeldecke der Affen in einem chirurgischen Eingriff unter Narkose aufgebohrt werden, damit «wenige Millimeter grosse» Mikroelektroden eingeführt werden können. Dieselben Eingriffe würden beispielsweise auch bei parkinsonkranken Menschen durchgeführt. Danach werde die Schädeldecke wieder vollständig geschlossen und die Tiere spürten nichts von den Implantaten.
Auch nach dem Eingriff erwartet die Tiere nichts als Friede und Freude, will man dem Forscher glauben: Die Affen müssten in bester Verfassung sein, um die Aufgaben am Bildschirm überhaupt lösen zu können. Sie würden zwar am Kopf immer noch in einem Gestell, dem sogenannten Primatenstuhl, fixiert, doch die tägliche Versuchsdauer sei gegenüber den Versuchen, die 2009 verboten wurden, um die Hälfte reduziert worden, auf anderthalb Stunden pro Tag. Alles ganz ohne Zwang, also. Eine Art Ferienkolonie mit Gesellschaftsspielen am Bildschirm.

Die Realität sieht leider deutlich düsterer aus. Damit psychische Krankheiten erforscht werden können, müssen die Affen deren Symptome aufweisen. Im vorliegenden Fall geht es um die Erforschung von Hirnprozessen bei Schizophrenie oder bipolarer Störung. Was fügt man den Tieren zu, damit sie manisch-depressiv oder psychisch gestört werden?
Das Tiermodell für Schizophrenie entsteht in der Regel dadurch, dass man bei Nagetieren oder Primaten durch einen chirurgischen Eingriff oder durch Injektion von Neuroleptika Läsionen des Kortex (Hirnverletzungen) herbeiführt. Eine andere Methode ist die Gabe von Kokain und Amphetaminen, um Wahnvorstellungen und Halluzinationen auszulösen. Natürlich hüten sich die Forscher, den geistigen Zustand der Affen während der Versuche zu beschreiben – Versuche, denen die Affen vermutlich jahrelang ausgesetzt sind. Schliesslich vergeudet man nicht einfach so einen teuren Affen, der auch noch den Lebensunterhalt der Forscher sichert.

 

Versuche, die das Bundesgericht bereits verboten hat

Im Jahr 2006 lehnte die Zürcher Kommission für Tierversuche zwei vom kantonalen Veterinäramt bewilligte Studien mit Primaten ab. Die Mehrheit der Kommissionsmitglieder, allen voran die Vertreter der Tierschutzorganisationen, hielt die Versuche des Instituts für Neuroinformatik für unzulässig. Nach jahrelangen Gerichtsverfahren gab das Bundesgericht der Kommission schliesslich vollumfänglich Recht und verbot die Versuche 2009 definitiv (1). Einer der Forscher zog frustriert nach Deutschland, wo er die Versuche mit denselben Affen weiterführte.

Nach schweizerischem Recht (TSchG und TSchV) muss ein Tierversuch verhältnismässig sein, um die Anforderungen für eine Bewilligung zu erfüllen. Das heisst, den Tieren dürfen, gemessen am erwarteten Kenntnisgewinn, keine unverhältnismässigen Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügt werden und sie dürfen nicht in unverhältnismässige Angst versetzt werden.
Es handelt sich dabei um eine Interessenabwägung zwischen dem Erkenntnisgewinn für den Menschen und den damit verbundenen Schmerzen und Leiden für das Tier.
Für das Bundesgericht waren der Nutzen für den Menschen und die klinische Anwendbarkeit der zwei fraglichen Tierversuche nicht klar genug. Es gelte zwischen reiner und anwendungsorientierter Grundlagenforschung zu unterscheiden. Letztere schaffe wissenschaftliche Grundlagen für spezielle weiterführende Forschungen und weise eine praktische Orientierung auf. Ein Tierversuch kann gemäss Bundesgericht nicht bewilligt werden, wenn sein Nutzen für eine therapeutische Anwendung ungewiss ist und es dafür zahlreicher weiterer Versuche bedarf: «Zur Bestimmung des Erkenntnisgewinns ist auf den konkret beantragten Einzelfall und nicht auf das Resultat einer Vielzahl von Versuchen abzustellen.»
Für das Bundesgericht ist also eine klar ersichtliche klinische Anwendbarkeit für die Abwägung der Interessen entscheidend. Aufgrund dieser Erwägungen sowie der ganz besonderen Nähe der Primaten zum Menschen hätten die in Frage gestellten Tierversuche nicht bewilligt werden dürfen.

Der Bundesgerichtsentscheid ist zwar wichtig, denn er schafft einen Präzedenzfall. Doch es gilt zu bedenken, dass einzig der Kanton Zürich seiner Kommission das Recht einräumt, gegen einen kantonalen Entscheid Beschwerde zu führen. Wenn die Forscher ihre Versuche in einem anderen Kanton hätten durchführen wollen, hätte man nicht auf dem Rechtsweg dagegen vorgehen können.

(1) Bundesgerichtsentscheide 135 II 405 und 135 II 384 vom 7. Oktober 2009

 

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Immer mehr Tierversuche mit Primaten an der Universität und der ETH Zürich

Nach den neuesten Statistiken des Bundes wurden im Jahr 2013 an 322 Primaten Tierversuche durchgeführt.

Davon wurden 109 Primaten bei Versuchen an Hochschulen eingesetzt – teilweise an der Universität Freiburg, doch vor allem an der Universität und der ETH Zürich. An den beiden Zürcher Hochschulen werden oder wurden in jüngster Zeit mehrere Tierversuchsstudien durchgeführt, beispielsweise zur Lokomotion von Primaten, zur Transplantation von Langerhans’schen Inseln usw.

Zwischen 1997 und 2012 starben 1658 Primaten in Forschungslabors der Schweizer Pharmaindustrie und 1011 an Schweizer Hochschulen.

Die idealen Laboraffen

Der Rhesusaffe (Macaca mulatta) ist eine kleine Primatenart, rund 60 cm gross und 5–7 kg schwer. Da Rhesusaffen relativ leicht zu halten sind, gehören sie zusammen mit den Javaneraffen (Macaca fascicularis, auch Langschwanzmakaken oder Krabbenesser genannt) zu den beliebtesten Tiermodellen in der Schweiz. Durch ihre geringe Körpergrösse leisten sie keinen grossen Widerstand, wenn sie aus ihren Käfigen gezerrt oder in die Primatenstühle gezwängt werden.

 

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Woher stammen die Versuchsaffen?

Art. 118 Abs. 4 TSchV besagt: «Primaten dürfen nur in Tierversuchen eingesetzt werden, wenn sie gezüchtet worden sind.» Kann man also ausschliessen, dass die in der Schweiz eingesetzten Versuchsaffen aus Wildfängen stammen? Tatsächlich kommen die Primaten aus anerkannten Zuchtstationen wie dem Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen.
Das DPZ ist ein öffentliches Forschungsinstitut, das selber Versuchstiere für die universitäre Forschung züchtet. Es hält 1400 Primaten und züchtet neun Primartenarten, darunter Rhesus-, Javaner- und Weissbüschelaffen, die in unseren Versuchslabors am häufigsten verwendet werden.

Doch Primaten pflanzen sich in Gefangenschaft nicht gleich gut fort wie in Freiheit.
Deshalb können Zuchtstationen nur durch Einbringen von Wildfängen genügend Tiere produzieren. Mit anderen Worten: Die Primaten, die in der Schweiz eingesetzt werden, stammen zwar wirklich aus der Zucht, nicht aber ihre Eltern.

Die Forschung mit Primaten in der Schweiz trägt damit indirekt dazu bei, dass ganze Primatengruppen in ihrem natürlichen Lebensraum eingefangen und so die Artbestände in Asien, Mauritius usw. dezimiert werden.

 

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Wir wollen keine Tierquälerei!

Nein zu Tierversuchen an Primaten in Zürich!

Schreiben Sie den Forschungsverantwortlichen und der kantonalen Bewilligungsbehörde und protestieren Sie gegen diese neuen Tierversuche mit Affen »» Mehr


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