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4. Dezember 2013 - Universität und ETH Lausanne

Ein verurteilter Forscher, verbotene Tierversuche, gequälte Tiere – und tatenlose Behörden

Waadtländer Steuerzahler finanzieren grausame und unnötige Tierversuche

Stopp dem Missbrauch in Waadtländer Labors

Im März 2010 wurde ein Wissenschaftler von der Strafabteilung des Amtsgerichts Solothurn schuldig befunden, Tieren bei Tierversuchen unnötiges Leid zugefügt zu haben.
Noch während des Strafverfahrens führte er an der Universität Lausanne (UNIL) im Kanton Waadt erneut Tierversuche durch. Diese Studien wurden vom Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (Project-124988) mit 375‘000 Franken unterstützt. Obwohl der Forscher bereits einmal verurteilt worden war, kontrollierten die kantonalen Behörden seine Versuchstätigkeit bis Ende 2011 in keiner Weise.

2011 verbot der Kanton Genf eine Studie3). Doch auch das hielt den Forscher nicht auf. Die UNIL empfing ihn mit offenen Armen und die Waadtländer Behörden erteilten ihm ohne Weiteres die nötige Versuchsbewilligung.

Seit mehreren Jahren werden auf dem Campus der UNIL zahlreiche Nistkästen angebracht. Aber nicht etwa, um wertvolle Nistplätze für die Vögel zu schaffen, sondern um sie für verschiedene invasive Tierversuche anzulocken, die mit öffentlichen Geldern finanziert werden (1, 2, 3). An wie vielen Vögeln wurden auf dem Gelände der UNIL bereits Versuche durchgeführt und was mussten diese erleiden?

 

Wer schreit in den Kellergeschossen der ETH Lausanne?

Das Leiden ist gross, doch die Schreie hört niemand. Seit 20045) werden in den Kellergeschossen der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) (4) Tausende von Mäusen und Ratten gequält6). Während mehrerer Wochen werden die Tiere täglich «unvorhersehbarem Stress» wie Elektroschocks, erzwungenem Schwimmen, dem Geruch von Fressfeinden ohne Fluchtmöglichkeit und anderen Stresssituationen ausgesetzt.

Wie lassen sich diese Versuche, die bereits 2 Millionen Franken Steuergelder verschlungen haben, rechtfertigen? Den Forschern ging es beispielsweise darum, das Risiko von aggressivem Verhalten nach «traumatischen Kindheitserlebnissen» zu untersuchen. Dafür wurden Jungtiere Tag und Nacht Stress und Angst ausgesetzt, um aggressives Verhalten gegenüber ihren Artgenossen zu provozieren8). Anschliessend wurden die Versuche auch mit trächtigen und säugenden Weibchen sowie mit Nagetieren mit verändertem Erbgut durchgeführt.



Grausame Tierversuche – wozu?

Alle Schlussfolgerungen, die auf diesen Versuchen beruhen, treffen einzig auf die untersuchten Mäuse und Ratten zu. Sie sind auf keine andere Tierart übertragbar, auch nicht auf den Menschen. Die Studienergebnisse können zudem für männliche und weibliche Mäuse und Ratten unterschiedlich ausfallen (8, 9). Mehrere Studien am Menschen, unter anderem von der American Psychological Association, haben bereits ergeben, dass die häufigsten Indikatoren für ein späteres aggressives Verhalten von Jugendlichen wirtschaftliche Not, Kriminalität in der Familie, mangelnde Erziehung, Schulversagen, asoziales Verhalten in der Kindheit und Gewalt in den Medien sind (10, 11, 12).

«In der Versuchsanordnung wurde unvorhersehbarer chronischer Stress dadurch erzeugt, dass die Tiere 28 Tage lang täglich zu einem unvorhersehbaren Zeitpunkt einer Stresssituation ausgesetzt wurden»

  «In der Versuchsanordnung wurde unvorhersehbarer chronischer Stress dadurch erzeugt, dass die Tiere 28 Tage lang täglich zu einem unvorhersehbaren Zeitpunkt (zu jeweils zufällig gewählten Zeiten zwischen 8 Uhr und 16 Uhr) einer Stresssituation ausgesetzt wurden.
Dafür wurde täglich einer der folgenden Stressauslöser angewandt: 6 min Aufhängen am Schwanz; 3 unabwendbare Elektroschocks mit je 0,4 mA über die Pfoten; 4 h in schmutzigen und feuchten Sägespänen; 2 h auf einer erhöhten Plattform; 1 h Immobilisierung in einem Plastikrohr; 30 min bei 16 °C; 2 Tage in einem umgekehrten Tag-/Nachtzyklus; 10 min Konfrontation mit einem aggressiven älteren Artgenossen; 1 h Kontakt mit 2,5-dihydro-2,4,5-trimethylthiazoline (TMT) oder 8 h in einem um 40° geneigten Käfig.»
 
  The role of NCAM in auditory fear conditioning and its modulation by stress: a focus on the amygdala
Bisaz R, Sandi C, Laboratory of Behavioral Genetics, Brain Mind Institute, EPFL - Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne, Published: Genes Brain Behav., 2010 Jun
 

 

  «Wir zeigen auf, dass männliche Ratten, die während der peripubertären Phase Stresserfahrungen ausgesetzt sind, häufiger ein langfristig erhöhtes aggressives Verhalten aufweisen. Ratten, die in dieser Phase Stress ausgesetzt sind, verhalten sich im Resident-Intruder-Test aggressiver als die Tiere der Kontrollgruppe und zeigen auch allgemein ein pathologisches Aggressionsmuster gemäss den folgenden Kriterien:
(1) Sie greifen weiter an, auch wenn das andere Tier deutliche Unterwerfungsgesten zeigt (was in der Kontrollgruppe üblicherweise die Angriffe des Residenten reduzierte).
(2) Sie attackieren verletzliche Körperstellen.
(3) Sie unterscheiden nicht zwischen verschiedenen Gegnertypen, das heisst, sie greifen unbedrohliche, anästhesierte kleine Männchen ebenso an wie grössere Männchen. Zudem konnten wir kürzlich zeigen, dass dieselbe Stressanordnung in der peripubertären Phase zu höheren Aggressionen gegenüber Weibchen führt.»
 
  The role of NCAM in auditory fear conditioning and its modulation by stress: a focus on the amygdala
Bisaz R, Sandi C, Laboratory of Behavioral Genetics, Brain Mind Institute, EPFL - Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne, Published: Genes Brain Behav., 2010 Jun
 

 

  «Die Ratten befanden sich in einem Käfig aus rostfreiem Stahl. Der Metallrahmen des Bodens war an einen Elektroschockgenerator angeschlossen. Nach drei Minuten im Käfig wurden den Ratten im Abstand von 60 Sekunden drei Elektroschocks von je 1 mA über die Pfoten verabreicht.»  
  The role of NCAM in auditory fear conditioning and its modulation by stress: a focus on the amygdala
Bisaz R, Sandi C, Laboratory of Behavioral Genetics, Brain Mind Institute, EPFL - Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne, Published: Genes Brain Behav., 2010 Jun
 

 

Zehntausende Tiere in Waadtländer Labors gefangen gehalten

Im Jahr 2000 wurde Patrick Aebischer Präsident der ETH Lausanne. Er führte Tierversuche ein und liess entsprechende Tierhaltungen einrichten. In weniger als zehn Jahren wurde die EPFL zu einem der wichtigsten Tierversuchszentren der Schweiz.

Nicht nur auf dem Campus der EPFL leben Zehntausende Versuchstiere in Gefangenschaft, sondern auch an den drei Standorten der Universität Lausanne in Epalinges, wo 40‘000 Mäuse gehalten werden, in Bugnon, dessen 4‘000 Versuchstiere auch vom Waadtländer Universitätsspital CHUV genutzt werden, und in Dorigny.

Gemäss einem 2009 erschienen Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle belaufen sich die jährlichen Kosten für eine Tierhaltung mit 40‘000 Versuchstieren auf 10 Millionen Franken. Die Kosten aller Versuchstierhaltungen öffentlicher Institutionen werden insgesamt auf jährlich 80 Millionen Franken geschätzt. Davon werden 70 Millionen direkt mit Steuergeldern finanziert.

 

Nestlé untersucht bereits bekannte Wirkungen an Ratten

Nestlé hat in ihren Waadtländer Labors Versuche an 143 «betagten» Ratten durchgeführt. Das Ziel war, die Bedeutung der Aminosäure Cystein als Nahrungsergänzungsmittel zu untersuchen. Nach 14 Wochen wurden die Versuchstiere getötet, um den Cysteingehalt in ihren Organen zu messen.
Im Oktober 2013 veröffentlichten die Waadtländer Forscher das Ergebnis der Studie: Cystein als Nahrungsergänzungsmittel ist für den Stoffwechsel und das Wohlbefinden der alten Ratten förderlich. Die Forscher meinten, es wäre wünschenswert, diese Resultate beim Menschen zu «bestätigen». Dabei ist die Wirkung beim Menschen schon seit 2011 bekannt, zum Beispiel aus der Studie «Deficient synthesis of glutathione underlies oxidative stress in aging and can be corrected by dietary cysteine and glycine».


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