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Schweizer Kühe mit Loch im Bauch

Das Nationalsymbol, die Schweizer Kuh, die friedlich auf einer Alpweide grast, steht für sichere Werte. Doch hinter dem Postkartenmotiv steht die Milchproduktion, und die ist alles andere als paradiesisch. Sie gleicht schon eher einem Alptraum. Für die Bauern, die zu ruinös tiefen, von den Milchverbänden diktierten Preisen verkaufen müssen, genauso wie für die Kühe, die zu Maschinen degradiert werden und Milch in immer grösseren Mengen liefern müssen.

Zum Glück für die Milchproduzenten und Werbemacher kann sich eine Kuh nicht beklagen. Sie kann zwar nicht in die Kamera lächeln, aber eben auch nicht das Gesicht verziehen. Unsere Kühe sind krank. Unter Missachtung des Tierwohls produzieren wir durch übertriebene und absurde genetische Selektion degenerierte Kühe. Und unter Missachtung der Gesetze bewilligen und finanzieren eidgenössische und kantonale Behörden mit öffentlichen Mitteln Versuche, welche die biologischen Kapazitäten der Kühe noch weiter verbessern sollen, damit sie noch mehr Milch produzieren.

Fistelkühe

Am 5. Februar 2014 strahlte das Westschweizer Fernsehen in der Tagesschau eine Reportage über die sogenannten fistulierten Kühe am Freiburger Standort der eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope aus. 14 Kühen wurde eine Fistel – eine Art Bullauge – angebracht, durch die man mit dem Arm in den Pansen, einen der vier Mägen der Kuh, greifen kann, um Futterproben zu entnehmen. Hierfür wird der Kuh bei einem chirurgischen Eingriff ein Loch in die Flanke geschnitten und mit einem Kunststoffring eingefasst, damit es nicht wieder zuwächst. Diese Versuche sollen in der Schweiz schon seit rund 30 Jahren durchgeführt werden.
Die Fistel verursacht zwar nach einiger Zeit keine Schmerzen mehr, die postoperativen Schmerzen können aber mehrere Tage anhalten und die Narben verheilen frühestens nach zwei Wochen. Es handelt sich also um einen chirurgischen Eingriff, der dem Tier Schmerzen zufügt. In Anbetracht dessen scheinen Ziel und Zweck der Versuche nichtig. Geht es doch einzig darum, die Verdaulichkeit von neuen Hafermischungen zu testen. Gemäss dem Tierarzt von Agroscope seien diese Versuche jedoch unerlässlich, um «die Lebensbedingungen und die Leistung der zwei Millionen Schweizer Rinder zu verbessern».

Dass in gewissen nordeuropäischen Ländern Fistelkühe eingesetzt werden, war bekannt. Von den Freiburger Fistelkühen schien dagegen niemand etwas zu wissen. So löste die Sendung denn auch viele negative Reaktionen aus. Der Journalist nahm anschliessend Kontakt mit der LSCV auf und diese bat das BLV am 6. Februar um Stellungnahme zu diesen Versuchen in Grangeneuve. In ihrem E-Mail zweifelte die LSCV unter anderem die Rechtmässigkeit der durchgeführten Versuche an.

Das Tierschutzgesetz (TschG) hat zum Zweck, die Würde und das Wohlergehen des Tieres zu schützen (Art. 1 TschG). Unter Würde versteht das Gesetz den Eigenwert des Tieres, der im Umgang mit ihm geachtet werden muss. Die Würde des Tieres wird missachtet, wenn eine Belastung des Tieres nicht durch überwiegende Interessen gerechtfertigt werden kann. Eine Belastung liegt vor, wenn dem Tier insbesondere Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden (Art. 3 Bst. a TschG). Tierversuche, die dem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen, es in Angst versetzen, sein Allgemeinbefinden erheblich beeinträchtigen oder seine Würde in anderer Weise missachten können, sind auf das unerlässliche Mass zu beschränken (Art. 17 TschG). Art. 137 Abs. 1 der Tierschutzverordnung (TSchV) legt die Kriterien für die Beurteilung des unerlässlichen Masses von belastenden Tierversuchen fest. Demnach muss die Gesuchstellerin oder der Gesuchsteller belegen, dass das Versuchsziel:
a.in Zusammenhang mit der Erhaltung oder dem Schutz des Lebens und der Gesundheit von Mensch und Tier steht;
b. neue Kenntnisse über grundlegende Lebensvorgänge erwarten lässt; oder
c. dem Schutz der natürlichen Umwelt dient.

Die Versuche von Agroscope stehen in keinerlei Zusammenhang mit dem Schutz des Lebens und der Gesundheit von Mensch und Tier. Die Verdauungstests haben einzig zum Ziel, die Produktivität der Viehwirtschaft zu verbessern. Sie treten die Würde des Tieres aus reiner Profitgier mit Füssen und sind ein Skandal.
Gerechtfertigt werden die Versuche mit dem Argument, dass die Entwicklung von besserer Nahrung Stoffwechselprobleme bei Milchkühen reduzieren könnte. Tatsächlich liessen sich diese Probleme schon allein dadurch lösen, dass man keine kranken Tiere mehr züchtet.

Für die Zucht macht Art. 25 TSchV klare Vorgaben: Das Züchten ist darauf auszurichten, gesunde Tiere zu erhalten, die frei von Eigenschaften und Merkmalen sind, mit denen ihre Würde missachtet wird. Zuchtziele, die eingeschränkte Organ- und Sinnesfunktionen und Abweichungen vom arttypischen Verhalten zur Folge haben, sind nur dann zulässig, wenn sie ohne das Tier belastende Massnahmen bei Pflege, Haltung oder Fütterung, ohne Eingriffe am Tier und ohne regelmässige medizinische Pflegemassnahmen kompensiert werden können. Wie kann es also zulässig sein, Kühe zu züchten, die durch die enorme Menge an Energie, die sie jeden Tag für die Milchproduktion benötigen, zwangsläufig anfällig sind? Wie ist zu rechtfertigen, dass man dann andere Kühe leiden lässt, um diese künstlich und aus Profitgründen geschaffenen Probleme vielleicht lösen zu können?

Nach einem ersten E-Mail vom 24. Februar, in dem man uns an den betroffenen Kanton verwies, liess sich das BLV am 4. März 2014 zu einer zweiten, ebenso nichtssagenden Antwort herab und schloss mit den Worten: «Im Fall, den Sie ansprechen, sind die Bewilligungen rechtskräftig, was jede weitere Korrespondenz zu diesem Thema erübrigt.» Mit anderen Worten: Bitte belästigen Sie uns nicht mehr! Und da es keine Rechtsmittel gegen die für diese Versuche erteilten Bewilligungen gibt, kann die LSCV sagen und tun, was sie will, es hat letztlich keine Bedeutung.
Solange die Bevölkerung glaubt, dass Tierversuche in der Schweiz «strengen Kontrollen unterstehen und nur unter strikten Bedingungen bewilligt werden können», gibt es leider keinen Grund, auf irgendeine Veränderung zu hoffen.

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Apropos Milchkühe

Genetische Selektion hat die Zucht von Rinderrassen wie der Prim'Holstein mit hoher Milchleistung ermöglicht. Das hat in den letzten Jahrzehnten zu einer extremen Steigerung der Milchproduktion geführt. Gleichzeitig nahmen der Einsatz und die Abhängigkeit von Kraftfutterkonzentraten zu. Diese Konzentrate aus stärke- oder anderen energiereichen Silagen verursachen bei den Tieren Stoffwechsel- und andere Gesundheitsprobleme und beeinträchtigen die Fruchtbarkeit und das Wohlbefinden. Ein verbreitetes Problem ist die Übersäuerung (Azidose), von der rund 75 Prozent der Rinder betroffen sind. Die häufigste Form ist die chronische Übersäuerung (latente Azidose). Sie entsteht durch ein pH-Ungleichgewicht infolge übermässiger Säureproduktion bei der mikrobiellen Fermentation. Neben den negativen Folgen für das Tier, die sich in Hinken, Klauenrehe, Durchfall und anderen Symptomen zeigen, hat die Übersäuerung auch negative Auswirkungen für den Bauern, denn sie vermindert die Milchproduktion.

Zum Vergleich: Eine für die Fleischproduktion gehaltene Mutterkuh produziert rund vier Liter Milch pro Tag, eine Milchkuh hingegen produziert durchschnittlich während zehn Monaten 28 Liter Milch pro Tag. In der Hochlaktationszeit können Kühe mit hoher Milchleistung bis zu 60 Liter pro Tag produzieren, in der gesamten Laktationszeit bis zu 12'000 Liter.

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Gebundene Artikel : »» PEA- und LSCV-Kampagne zur Milchproduktion


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