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Oktobber 2013

Wie steht es tatsächlich um die Kontrolle von Tierversuchen in Freiburg?

Am 16. September 2009 reichten die Organisationen AG STG, ATRA und LSCV beim Sekretariat des Freiburger Grossen Rates die Petition „Stoppt die Affenversuche an der Universität Freiburg" mit über 19'000 Unterschriften ein. In der Petition wurden die Behörden aufgefordert, die medizinische Forschung nicht nur an Affen, sondern an allen Tieren definitiv aufzugeben und „die Entwicklung innovativer, tierversuchsfreier Testmethoden, wie z.B. Zell- und Gewebemodelle, bildgebende Verfahren sowie Bioinformatik, (zu) unterstützen undTierversuche in der medizinischen Forschung durch Modelle (zu) ersetzen, die ethisch und wissenschaftlich tragbar sind.“

Die Petitionskommission des Freiburger Grossen Rates befasste sich am 12. Oktober 2009 erstmals mit dieser Petition. Am 17. März 2010 erklärte ihr Sprecher Dominique Butty (CVP, GL):
„Ein Versuch hat gezeigt, dass sich die Rhesusaffen mehrere Tage lang weigerten, an einer Kette zu ziehen, die Nahrung freisetzte, wenn dieser Handgriff einem Artgenossen einen Stromschlag verpasste und sie die Krämpfe beobachten konnten. Sie litten lieber selber Hunger, als dem Leiden eines Artgenossen zusehen zu müssen. Dieser Versuch, der an der Universität Freiburg nicht durchgeführt worden ist, beweist doch, welcher Art von Dingen man diese Primaten unterziehen kann (…) Meine Kolleginnen und Kollegen und ich sind weder Experten für Tierversuche, noch Experten für wissenschaftliche Ethik (…). Wir haben den Staatsrat gebeten, sich mit folgenden Fragen auseinanderzusetzen:

- Was hält der Staatsrat von den Vorwürfen und geforderten Massnahmen?
- Welcher Anteil der an der Universität Freiburg durchgeführten Versuche gehört zur eigentlichen Grundlagenforschung und welcher Anteil entspricht der Überprüfung oder Wiederholung von Versuchen, die anderswo bereits durchgeführt wurden? (…)
- Wie stellt sich der Staatsrat zum offensichtlichen Widerspruch zwischen den humanistischen Werten, welche die Universität Freiburg vertritt, und der Weiterführung von Affenversuchen innerhalb der gleichen Universität?“

Am 13. Dezember 2011 veröffentlichte der Staatsrat seinen Bericht. Einleitend wies er darauf hin, „dass der Schweizerische Rechtsrahmen bezüglich Tierversuchen im internationalen Vergleich besonders streng sei, und zwar eben gerade als Antwort auf die seitens der Bevölkerung vorgebrachten Befürchtungen.“ Auf das Gutachten zur Erläuterung der „ethischen Fragen in Zusammenhang mit Tierversuchen“ der Professoren Alex Mauron und Samia Hurst vom Institut für biomedizinische Ethik der Universität Genf gestützt, deren positive Gutachten für Tierversuche bestens bekannt sind, versicherte er zudem, die Forschenden der Universität Freiburg würden „die entsprechenden gesetzlichen Vorschriften“ selbstverständlich respektieren. Sie „beteiligen sich zudem auch an den Bemühungen zur Einschränkung von Tierversuchen, wo immer dies möglich ist, etwa durch den Einsatz von Zellkultursystemen oder von Einzellern oder auch Computermodellen. Sie setzen dabei das sogenannte 3R-Prinzip um (…) Ziel dieses Prinzips ist es, die Zahl der verwendeten Tiere zu verringern, die Methoden zu verfeinern, um die Versuche zu optimieren, und die Belastung, die sie verursachen, zu reduzieren, sowie das Tiermodell nach Möglichkeit durch andere Modelle zu ersetzen.“

Alles in Butter also. Die Bürgerinnen und Bürger konnten beruhigt feststellen, dass an dieser Institution Good Practices herrschen.

Bei den 12'385 Tieren, die im Kanton Freiburg im Jahr 2012 für Tierversuche eingesetzt wurden, handelt es sich auf den ersten Blick um eine bescheidene Zahl im Vergleich zu den 100'000 Tieren, die Bern oder Zürich verwenden, oder den 200‘000 Tieren, welche die Basler Pharmaindustrien jährlich opfern. Trotzdem setzt Freiburg als einziger Kanton mit Basel-Stadt und Zürich in seinen Labors Affen, Katzen und Hunde ein. In der Gemeinde Saint-Aubin werden deshalb Hunderte von Hunden und Katzen gehalten, die bei Versuchen von Novartis verwendet werden. Hier werden Tiere infiziert und es werden ihnen Parasiten injiziert. Von 4‘656 Hunden, Katzen und Affen, die letztes Jahr in der ganzen Schweiz eingesetzt wurden, entfielen über tausend auf den Kanton Freiburg (Im Jahr 2012 wurden an der Universität Freiburg 785 Hunde, 229 Katzen und 21 Primaten eingesetzt).

Minimalistische Kontrollen der Tierversuche

2012 erteilte der Kantonsveterinär 49 Bewilligungen, um neue Tierversuche durchführen zu können. Aufgrund welcher Gutachten und unter welchen Bedingungen erfolgte dies?
Der Staatsrat versicherte, die Universität würde die Gesetze einhalten. Worauf beruht diese Behauptung, wenn im Tätigkeitsbericht zum Veterinärwesen zu lesen ist, dass (S.32) im Jahr 2012 nur vier Kontrollen stattfanden?
Vier Kontrollen bei 103 laufenden Versuchen. Was für eine minimalistische Tätigkeit der Behörde. Nicht einmal das vom Bundesgesetz geforderte Minimum wird eingehalten: die jährliche Kontrolle der Versuchstierhaltungen (Art. 216, Abs. 1 TSchV) und, ein Fünftel der laufenden Versuche (Art. 216, Abs. 3 TSchV).

In der Folge hätte die kantonale Behörde 2012 mindestens 21 Tierversuche und alle Versuchstierhaltungen kontrollieren müssen.

Trotz dieser Tatsache ist die Bundesverwaltung nicht eingeschritten, um die kantonalen Behörden auf ihre Pflicht hinzuweisen. Trotzdem versichert der Staatsrat, alles sei unter Kontrolle.

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Gebundene Artikel : »» 10. Juni 2013 - Für eine wahre Kontrolle der Tierversuche in Freiburg

 


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