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10. Februar 2015

Referendum gegen den Laborneubau der Universität Bern

20. Januar 2015: Der Grosse Rat des Kantons Bern befindet über einen 141-Millionen-Kredit für den insgesamt 154 Millionen teuren Universitäts-Neubau an der Murtenstrasse in Bern. Neben dem verständlichen Vorhaben, die bisher an rund 20 Standorten verteilten Labors des Instituts für Rechtsmedizin (IRM) und des Departements für Klinische Forschung (DKF) an einem Ort zu vereinen, umfasst das Bauprojekt auch die Schaffung von drei unterirdischen Geschossen mit 3000 m2 zusätzlicher Fläche für Tierversuche.

Bereits heute führt die Universität Bern Versuche an Zehntausenden Tieren durch. Wir wollen nicht, dass mit unseren Steuergeldern noch mehr Tierversuche finanziert werden, deren Ergebnisse in den meisten Fällen keinen Nutzen für die menschliche Gesundheit bringen! Die öffentlichen Mittel müssen in die Entwicklung von neuen, innovativen Forschungsmethoden investiert werden, nicht in veraltete Versuchsmethoden, die ausser der Angst und dem Leid der Tiere nichts bringen.

An den Tagen vor der Grossratsdebatte organisieren die LSCV, die GrünAlternative GPB-DA und die Organisation Tier im Fokus mehrere Demonstrationen. Die Grossräte werden kontaktiert und aufgefordert, den Kreditantrag abzulehnen. Am 16. Januar wird eine Petition gestartet, für die innerhalb von nur drei Tagen 3164 Unterschriften zusammenkommen. Diese werden am Tag vor der Debatte dem Sekretariat des Grossen Rates übergeben. 20. Januar: Der Grosse Rat entscheidet in einer reduzierten Debatte über den Kredit. Die Grossräte können sich nicht äussern und eine Diskussion über die Notwendigkeit der zusätzlichen Versuchslaborfläche wird abgelehnt. Der Kredit wird mit grosser Mehrheit genehmigt.

Am Mittwoch, 11. Februar, geben die Organisationen LSCV, GrünAlternative GPB-DA, Tier im Fokus, AG STG und ATRA an einer Pressekonferenz bekannt, dass sie ein Referendum gegen den vom Berner Grossen Rat gesprochenen 141-Millionen-Kredit lancieren.

www.stopptierversuchebern.ch

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Warum noch mehr Tiere für noch mehr Versuche?

Im Dokument Nr. 97073 vom 6. Januar 2015 erklärt die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) des Kantons Bern, warum mehr Tierversuche notwendig sind: «Damit die Universität und das Inselspital (Universitätsspital) im nationalen und internationalen Wettbewerb um Mittel für die klinische Forschung bestehen können.»

Die höhere Zahl von Tierversuchen und das Leid, das sie verursachen, dienen also einzig und allein dem Zweck, mit anderen Universitäten zu konkurrieren. Ist das die Ethik der Universität? Ist das die Empathie, die sie Tausenden von Versuchstieren entgegenbringt? Ist das ein Gewinn für die öffentliche Gesundheit?

So rechtfertigt die BVE den Bau von neuen Versuchstierhaltungen und Tierversuchslabors:

3.2.2.3 Geplanter Bedarf (Seite 8 von 13)

«Um bei Tierversuchen die Anzahl der benötigten Tiere pro Versuch reduzieren zu können, sind Hygienebedingungen nach internationalen Qualitätsstandards einzuhalten (…). Dies bedingt den Flächenmehrbedarf in unmittelbarer Nähe zu bestehenden Tierhaltungen und zur klinischen Forschung, damit die Forschungsarbeit sachgerecht, effizient und wirtschaftlich erfolgen kann».

Wie die BVE mehrfach geschrieben hat, plant die Universität nicht weniger, sondern mehr Tierversuche. Ihr Argument, sie wolle die Anzahl der benötigten Tiere reduzieren, dient nur dazu, die Kritiker ruhigzustellen. Dass mit der zusätzlichen Fläche Tiere «eingespart» werden können, ist ebenfalls reine Augenwischerei. Die Qualitätsstandards geben Hygienebedingungen vor, um Verfälschungen von Versuchsergebnissen zu vermeiden. Es ist hingegen bekannt, dass in grösseren Tierhaltungen mit mehr Versuchstieren auch mehr Infektionsherde vorhanden sind. Die grossen Versuchstierhaltungen der Universitäten Lausanne, Genf, Basel usw. sind von Viren- und Parasitenbefällen betroffen, die Versuchsergebnisse verfälschen oder unbrauchbar machen können, so dass teure Versuche wiederholt werden müssen.

3.3.4 Alternativen und Folgen eines Verzichts (Seite 10 von 13)

«Die klinische Forschung (DKF) könnte sowohl qualitativ wie quantitativ kaum wachsen, da vor allem Drittmittelprojekte ausbleiben würden. Fördergelder aus dem In- und Ausland gingen verloren. Die Lehre und Forschung, (…) würde mittel- bis langfristig an Bedeutung verlieren».

Das ist Schwarzmalerei: «Wenn wir nicht mehr Tierversuche machen können, verlieren wir unsere Fördergelder», will uns die Universität weismachen. Wen will sie zum Narren halten? Die Steuerzahler, die für den Grossteil ihrer Forschung aufkommen? Millionen für zusätzliche Tierversuche ausgeben, nur um anderen Universitäten Konkurrenz zu machen, – soll das wirklich das einzige Ziel sein? Es ist Zeit, dass die Universität sich für die Entwicklung von modernen Forschungsmethoden einsetzt, die wirklich im Dienste unserer Gesundheit stehen. Damit würde sie mehr für ihr Renommee und ihre Kompetenz im Gesundheitsbereich tun.

«Generell ist der Einsatz von Versuchstieren streng reglementiert und wird, wo immer möglich, durch Alternativmethoden ersetzt. Mit dem Wachstum der Forschung steigt allerdings tendenziell auch die Nachfrage nach Versuchstieren.»

Die Behauptung, Tierversuche würden durch Alternativmethoden ersetzt, ist lächerlich. Denn solange praktisch alle Mittel in Tierversuche fliessen, gibt es keine Alternativmethoden. Aus einem einfachen Grund: Die Wissenschaftler, die über die Zuteilung der Mittel entscheiden, arbeiten selber mit Tierversuchen und unterstützten in erster Linie ihre eigene Forschung. An Schweizer Hochschulen werden von Jahr zu Jahr mehr Tierversuche durchgeführt. 2013 wurden in der Schweiz erstmals mehr Versuchstiere an Universitäten als in Pharmaunternehmen eingesetzt.

Die humanmedizinische Forschung der Zukunft findet nicht an Ratten und Mäusen statt, sondern an menschlichen Zellen, Geweben und Organen oder in Computermodellen. Unterstützen wir eine moderne Forschung, sagen wir NEIN zu zusätzlichen Ausgaben in Millionenhöhe für Tierversuche an der Universität!

 

Wie viele Versuchstiere kommen an der Uni Bern zum Einsatz?

Durchschnittlich werden im Kanton Bern jedes Jahr 100'000 Versuchstiere eingesetzt. Viele dieser Versuche sind für die Tiere aber nicht schmerzhaft. Dazu gehören etwa Studien zum Geflügelfutter, zur Viehhaltung usw.
Die Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern betreibt zudem tiermedizinische Studien zu Krankheiten von Nutztieren oder von Haustieren wie Katzen und Hunden. Diese Tiere haben einen Halter und werden nach den Versuchen nicht getötet. Diese Studien sind gemäss den Vorgaben des Bundes den Schweregraden 0 oder 1 mit «leichter Belastung» zugeordnet.

Bei den Tierversuchen des Departements für Klinische Forschung (DKF) der Universität Bern handelt es sich hingegen häufig um schmerzhafte Experimente – auf diese zielt dieses Referendum ab. Einige dieser Versuche gehören zum Schweregrad 3, also zu der Kategorie mit der höchsten Belastung, bei der das Tier schwere Schmerzen leidet und sein Tod erwartet werden muss. Es handelt sich zudem hauptsächlich um Grundlagenforschung, bei der menschliche Krankheiten an Tieren untersucht werden, ohne dass auf eine klinische Anwendung hingearbeitet wird.

Zwischen 2011 und 2013 führten die Universität und das Universitätsspital Bern Versuche an 108'481 Tieren für die Grundlagenforschung durch. Gemäss Bundesstatistik waren in Berner Labors 13'887 Tiere Versuchen des Schweregrads 2 oder 3 ausgesetzt.

Die folgenden Tiere wurden für die medizinische Forschung eingesetzt:

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