Grundlagenforschung
Ein System, das Innovationen in keiner
Weise fördert
Die Wissenschaftler unserer Universitäten zeichnen sich nicht gerade
durch ein ausgeprägtes Interesse an der Entwicklung von Alternativmodellen
aus. Allerdings unterstützt das System, in dem sie sich bewegen,
zwar die Forschung, fördert aber Innovationen in keiner Weise.
Die Professoren selber verfügen wohl über einen Lehrstuhl,
der ihnen ein anständiges Salär sichert. Alle übrigen
Wissenschaftler müssen sich aber ständig um Finanzierungsquellen
bemühen, um ihre Projekte sichern zu können. Forscher gibt
es viele – mit den Finanzen hapert es aber ständig. Ein Grossteil
der Wissenschaftler muss sich deshalb mit den zahlreichen schlecht bezahlten
Assistenzstellen (1) begnügen.
Publizieren oder untergehen
Wer
sich aus der breiten Masse der Wissenschaftler abheben möchte,
muss das Motto „Publish oder perish“ befolgen. Karriere und
Möglichkeiten zur Finanzierung der eigenen Forschung hängen
von der Anzahl Publikationen (2) eines Wissenschaftlers ab.
Das Wettrennen um die Publikation von Artikeln beginnt nach dem dritten
Studienabschnitt. Wenn ein Doktorand in der Zeitschrift Science oder Nature einen
Artikel veröffentlichen kann, ist sein Posten an der Universität
seiner Wahl schon fast gesichert. Wenn er während dieser Zeit wiederum
einen oder mehrere Artikel veröffentlichen kann, wird er eine Stelle
als Assistenzprofessor erhalten. Publiziert er in den fünf darauf
folgenden Jahren nichts mehr, kann er das Ganze vergessen. Ein renommiertes
Labor (ein Labor, das publiziert) wird ihn nicht mehr anstellen, denn
ein solches ist auf Publikationen angewiesen, um gute Mitarbeitende und
ausreichende Finanzen zu erhalten.
Um publizieren zu können, müssen aber Artikel vorgelegt werden,
die bei den Mitgliedern der Verlagsvorstände dieser Zeitschriften
auf Interesse stossen. In den meisten Fällen handelt es sich dabei
um Wissenschaftler, die ebenfalls im Rahmen öffentlicher Institutionen
in der Forschung tätig sind. In solchen Fällen ist es somit
besser, in klassischen Bereichen tätig zu sein und sich nicht auf
Neuland vorzuwagen. Dies umso mehr, da bei den beiden erwähnten
Zeitschriften 80% der Artikel schon nach einer ersten Lektüre abgelehnt
und nur 5% tatsächlich publiziert werden.
Ein Wissenschaftler, der Alternativmethoden
verwendet, publiziert somit nicht oder nur wenig. Wer nicht publiziert,
erhält aber kein Geld.
Dies erklärt zweifellos, warum die meisten Forscherteams an den
Universitäten unseres Landes – sei es nun in Zürich,
Bern, Lausanne oder Genf – auf den gleichen Gebieten tätig
sind und in etwa die gleiche Arbeit leisten. Die Universitäten werden
so zu einem hartnäckigen Konkurrenzkampf gezwungen. Um die Zahl
der jährlich erscheinenden Publikationen zu erhöhen (3), müssen
sie renommierte Professoren einstellen, die horrende Saläre beziehen.
Somit ist es nicht weiter erstaunlich, dass
unser Land im Bereich der Forschung mit Alternativmethoden nicht sehr
innovativ ist. Während
die Europäische Union alternative Forschungsprogramme auf die Beine
stellt, die mit mehreren Dutzend Millionen Euros dotiert sind, beläuft
sich das in der Schweiz (4) für die gleichen Studienbereiche jährlich
zur Verfügung stehende Budget auf lächerliche 800'000 Franken.
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(1) Eine 1997 durchgeführte Zählung ergab, dass an den Schweizer
Universitäten rund 24'000 Assistenten angestellt sind.
(2) Weltweit gibt es rund 4500 wissenschaftliche und medizinische Zeitschriften
(in Papierform).
Im wissenschaftlichen Bereich sind Science und Nature führend.
Zu den wichtigsten Publikationen im medizinischen Bereich gehören
(ihrer wissenschaftlichen Bedeutung nach): The New England Journal
of Medicine, The Lancet, JAMA (Journal of
American Medical Association), Annals of Internal Medicine und British
Medical Journal.
(3) Bei der weltweiten Klassierung der „besten“ Institutionen
wird von der Anzahl wissenschaftlicher Publikationen im Vergleich zum
Jahresbudget einer Universität ausgegangen.
(4) Die 1987 in der Schweiz gegründete Stiftung Forschung 3 R wird
von der öffentlichen Hand (und insbesondere vom Bundesrat) damit
beauftragt, die Alternativforschung in der Schweiz (im Sinne der 3 R
Reduction – Refinement – Replacement beziehungsweise Verfeinern – Vermindern – Vermeiden)
voranzutreiben. Mit einem durchschnittlichen Jahresbudget von Fr. 800'000.-
konnte sie während ihrer zwanzigjährigen Tätigkeit nur
rund hundert Projekte unterstützen. Im Vergleich zu den 850 neuen
Tierversuchen, die in unserem Land jährlich bewilligt werden, ist
dies nicht allzu viel. |