Tierversuche sogar an Vögeln der Roten Liste

Völlig unnötige Versuche

 

Mai 2008

Alpensegler sind wie die meisten frei lebenden Tiere Parasitenträger. Die Schädlinge werden insbesondere durch eine Fliege übertragen. Um seinen Versuch zu begründen, bei dem einigen Dutzend Jungvögeln ohne Anästhesie Kortikosteron-Tabletten (Stresshormon) unter die Haut implantiert wurden, schrieb Dr. Bize dem kantonalen Veterinäramt am 9. Mai 2006 Folgendes:

„Der Alpensegler wird natürlicherweise stark von einer stechenden und Blut saugenden Fliege der Familie der Hippobosciden heimgesucht. Wie vorgängige Untersuchungen gezeigt haben, führt dieser Ectoparasit zu Veränderungen bezüglich Wachstum (J Anim Ecol 2003) und Überleben (Funct Ecol 2005) der jungen Alpensegler, sowie auf die Fortpflanzung der ausgewachsenen Tiere (J Anim Ecol 2004). 
Ich möchte die Auswirkung von Stress auf die Immunreaktion der Jungvögel und auf ihre Parasitenresistenz untersuchen. Medizinische Studien haben gezeigt, dass Stress die Immunreaktion schwächt und sich infolgedessen die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und Parasiten erhöht.“

Wie Dr. Bize richtig erwähnt, haben zahlreiche Versuche und wissenschaftliche Studien bewiesen, dass „Stress die Immunreaktion schwächt“. Dies liess sich nicht nur an Vögeln, sondern an den meisten untersuchten Wirbeltieren feststellen. Dr. Bize kündigt deshalb an:
„Wir gehen davon aus, dass die Jungvögel mit den Kortikosteron-Implantaten ein reduziertes Wachstum und eine schwächere Immunreaktion aufweisen werden. Dies wird zu einer stärkeren Parasitenbelastung führen als bei den Jungvögeln mit Placebo-Implantaten.“ Wie es der Forscher mit einer derartig sinnlosen wissenschaftlichen Hypothese geschafft hat, vom Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung finanziell unterstützt zu werden, bleibt ein Rätsel.

Besteht wirklich ein wissenschaftliches Interesse, die Auswirkung von Stress auf die Entwicklung der Jungvögel zu untersuchen? Welche „wichtigen Informationen für die Biologie der Arterhaltung“ könnte diese an einem frei lebenden und darüber hinaus streng geschützten Vogel durchgeführte Versuche liefern?
Soll eine umfassende Kampagne zur Parasitenbekämpfung bei sämtlichen in der Schweiz nistenden oder unser Land überquerenden Alpenseglern durchgeführt werden? Rechtfertigt es ein wissenschaftlich so wenig fundierter Versuch, an lebenden Vögeln ohne jegliche Anästhesie und ohne Schmerzmittel Operationen vorzunehmen?
Werden die Biologen demnächst die gleichen Versuche an Tauben, Amseln, Meisen und Sperlingen durchführen, nur weil dies bis anhin noch nie gemacht wurde?

Aus der Publikation zu Dr. Bizes Versuchen (Am Nat. 2008 Jan;171(1):107-18) geht hervor, dass der Wissenschaftler schliesslich gemerkt hat, dass die Parasiten die Vögel mieden, die sich in einem schlechten Zustand befanden. Die geschwächte Immunreaktion hat somit nicht zu einer höheren Parasitenanfälligkeit geführt. Die Parasiten befielen vielmehr Jungvögel, die ihnen die gewünschten Blutreserven lieferten.

Angesichts dieser Tatsachen muss man sich fragen, ob die Wissenschaft dazu da ist, völlig unnötige Versuche durchzuführen...