Tierversuche sogar an Vögeln der Roten Liste

Rolle der Schweizerischen Vogelwarte Sempach

 

Mai 2008

Auf der Einstiegseite ihrer Website kündigt die Schweizerische Vogelwarte Sempach die Rückkehr der Zugvögel an.
Soll man diesen empfehlen, gleich wieder kehrt zu machen?

Viele Leserinnen und Leser, die im Bize-Bericht die Tierversuche des Wissenschaftlers zur Kenntnis genommen hatten, waren über die fehlende Reaktion der Vogelwarte Sempach erstaunt:

So schrieb uns am 13. Juni 2007 eine Klägerin:
Pierre Bize hat freien Zugang zu allen Alpensegler-Kolonien in der Schweiz und macht seine tierquälerische Versuche unbehindert weiter. Niemand kontrolliert ihn. Keiner,  ob Genehmigungsbehörde, Vogelschutzverein oder die Vogelwarte Sempach, interessiert sich dafür, was er mit den Wildvögeln macht. Sein Professor-Titel, oder was immer, scheint alle Türe für ihn zu öffnen und offen zu halten. Mitte Mai hat Pierre Bize in einer Brutkolonie in Baden, Kanton Aargau, offiziell Federn von brütenden Alpenseglern ausgerissen, für eine sinnlose Geschlechtsbestimmung. Was er dort noch mit den Alpenseglern gemacht hat, weiss nur er. Was genau er sich mit den Alpenseglern und anderen Wildvögel in der Schweiz zu tun erlaubt, scheint keinen der Verantwortlichen zu interessieren. Die wischiwaschi Stellungnahme der Vogelwarte Sempach ist für mich unverständlich ».

Im Artikel der „Solothurner Zeitung“ vom 20. April 2007 über die Tierversuche, die zum Tod der Vögel geführt hatten, heisst es wie folgt:
„Lukas Jenny, wissenschaftlicher Leiter der Vogelwarte Sempach, hat ebenfalls schriftlich zu der Beschwerde Stellung genommen. Die beiden Alpensegler-Nestlinge scheinen durch die ethisch nicht verantwortbare Art der Versuchsführung umgekommen zu sein“. Die Vogelwarte distanziere sich von solch unsachgemässem Vorgehen: Gerade weil wir sehen, dass sachgemässe und ethisch verantwortbare Untersuchungen, die eine Beeinträchtigung der Tiere auf ein Minimum beschränken, einen grossen Erkenntnisgewinn für Vogelschutzanliegen bringen können“. Direkt auf den Fall angesprochen, kam er jedoch zum Schluss, dass es sich bei diesen Vorfällen wirklich um Einzelfälle handle. Pierre Bize habe sich bereits früher intensiv mit den Alpenseglern befasst und dabei bedeutende Erkenntnisse erarbeitet, sagt Jenny. Dies vor allem im Bereich Parasitenbefall. In diesem Fall scheint aber tatsächlich etwas schief gelaufen zu sein“, glaubt er. Er könne sich aber nicht vorstellen, dass Bize den Tod der Tiere mutwillig in Kauf genommen habe“.

Finanzierung wissenschaftlicher Versuchen an Vögeln – die neue Aufgabe der Vogelwarte Sempach?

Die Unterstützung von Dr. Bizes Tierversuchen durch die Schweizerische Vogelwarte Sempach scheint auf den ersten Blick wenig glaubwürdig zu sein. Sie scheint auch dem Image als „Vogelschutzstelle“ zu widersprechen, das die Vogelwarte in der Öffentlichkeit von sich selber gerne verbreitet.
Die offiziellen Unterlagen zu den Versuchen von Dr. Bize enthalten jedoch Aussagen, die wenig Zweifel offen lassen.
In seinem Tierversuchsantrag, den der Forscher am 9. Mai 2006 an das kantonale Veterinäramt (KVA) Solothurn richtet, schreibt er (Punkt 51):
„Die Beringung und Betreuung der Jungtiere im Nest wird mit Standardmethoden und dem Einverständnis der Schweizerischen Vogelwarte Sempach sowie dem BAFU durchgeführt werden. Wir verwendeten Kortikosteron schon einmal erfolgreich an einer Wildpopulation von Schleiereulen (in Übereinstimmung mit dem Veterinäramt des Kantons Waadt und in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Vogelwarte Sempach)“.

Um den durch seine Tierversuche bedingten Tod der Vögel zu erklären, schreibt Dr. Bize dem KVA am 10. Februar 2007:
„Während diesem Versuch ist ein Problem aufgetreten. Entgegen meiner Absicht, den Kortikosterongehalt bei den Jungvögeln um 10-20 ng/ml zu erhöhen, macht es den Anschein, dass die Implantate des Innovative Research of America überdosiert waren. In Zusammenarbeit mit Dr. Lucas Jenni und Dr. Susie Jenni-Eiermann von der Schweizerischen Vogelwarte im Januar 2007 untersuchten wir den Kortikoidgehalt bei Jungvögeln vier Tage nach der Implantation und stellten fest, dass dieser eher erhöht (>100 ng/ml) als gemässigt  (10-20 ng/ml) war. Dr. Jenni und Dr. Jenni-Eiermann berichteten, in der Vergangenheit auch schon Probleme mit der Überdosierung von Implantaten gehabt zu haben. Das Problem kann damit zusammenhängen, dass die Tabletten zuerst an Nagern (Mäusen und Ratten) im Labor getestet werden und die Beigabe von Kortikosteron somit starken Unterschieden unterliegt, wenn dieses an Vögeln verwendet wird. Säugetiere verfügen nicht über den gleichen Stoffwechsel. Dr. Jenni und Dr. Jenni-Eiermann verwenden Implantate des Innovative Research of America. Diese bewirken einen viel weniger grossen Anstieg des Kortikosterons als die Implantate, die mir verkauft wurden.“

Eine Stiftung für den „Vogelschutz“

Auf ihrer Website stellt sich die Schweizerische Vogelwarte Sempach wie folgt vor:
„Als Stiftung für Vogelkunde und Vogelschutz widmen wir uns an der Vogelwarte der Überwachung der heimischen Vogelwelt, wir untersuchen die Lebensansprüche der Vögel und setzen uns für die Verbesserung der Lebensbedingungen bedrohter Arten ein. Auch die Erforschung des Vogelzugs gehört zu unseren Hauptaufgaben. Wir informieren die Bevölkerung, Behörden und Medien über Anliegen des Vogelschutzes und geben Auskünfte über alle Belange aus dem Leben der Vögel. Nur dank dem Zusammenwirken von Forschung, Praxis und Information unter einem Dach können wir uns umfassend für die Vogelwelt engagieren und die uns anvertrauten Spendengelder optimal einsetzen“.

Weitere zweifelhafte Versuche an Alpenseglern

Auf ihrer Website weist die Vogelwarte Sempach jedoch darauf hin, dass die Alpensegler auf der Roten Liste zu den potenziell gefährdeten Brutvogelarten gehören, von denen in der Schweiz nur noch 1200-1300 Paare vorkommen:
„Ungünstige Witterung (besonders während der Jungenaufzucht) und Gebäuderenovationen können sich negativ auf die Alpensegler-Bestände auswirken“.

Trotz dieser Situation kündigt die Vogelwarte Sempach jedoch Versuche an Vögeln an, die sprachlos stimmen:
„Mit schweizerischen Brutvögeln hat man auch Verfrachtungsversuche durchgeführt. So brachte man einen Alpensegler mit dem Flugzeug nach dem über 1600 Kilometer entfernten Lissabon. Nach 72 Stunden war er bereits wieder an seinem Brutplatz in Solothurn. Von zehn Vögeln, die man nach Nairobi/Kenia verfrachtete, das weit ausserhalb des normalen Zugraumes liegt, brüteten zwei in späteren Jahren wieder in Solothurn“.

Wenn zwei Vögel „in späteren Jahren wieder in Solothurn“ brüteten, was ist dann mit den übrigen acht?
Betreibt man wirklich „Vogelschutz“, wenn man Vögel in der ganzen Welt herum verfrachtet, um zu sehen, wie diese ihren Weg wieder zurück finden?
Derart erbärmliche Versuche weisen auf ein wissenschaftliches Entgleiten einer immer grösser werdenden Anzahl Forscher innerhalb der Schweizerischen Vogelwarte Sempach hin. Diese streben um jeden Preis danach, dass ihr Name in irgendeiner Publikation erscheint und ihnen das Recht verleiht, wilde Tiere zu manipulieren und Versuche durchzuführen, die zu deren Aussterben beitragen.