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10.3576 – Interpellation

Stiftung Forschung 3R. Quo vadis?

Eingereicht von : Graf Maya
Einreichungsdatum : 18.06.2010
Eingereicht im : Nationalrat
Stand der Beratung : Im Plenum noch nicht behandelt

Suivre : http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20103576

Eingereichter Text

Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:

1. Wie sind die Ziele und die Leistungen zur Zielerreichung der Stiftung Forschung 3R überprüfbar?

2. Welche Erfolgskriterien wurden bestimmt, um ein bewilligtes Projekt als "erfolgreich abgeschlossen" zu bewerten?

3. Gibt es eine systematische Überprüfung oder eine Erfolgskontrolle der Leistungen und Zielerreichung der Stiftung Forschung 3R? Wenn ja, wie sieht diese aus?

4. Worin liegt konkret der tierschützerische Benefit der Tätigkeiten der Stiftung, und wie sind hier die Erfolgskriterien bestimmt?

5. Was wird zugunsten der Versuchstiere konkret durch die Leistungen der Stiftung und der bewilligten Projekte erreicht?

6. Was wird die Stiftung zukünftig tun, um der steigenden Anzahl Gesuche gerecht zu werden und mehr Gesuche/Projekte zu fördern?

7. Wie viele Stiftungsbeiträge werden zusätzlich benötigt, um jährlich mindestens 50 Prozent der eingehenden Gesuche/Projekte entsprechend zu fördern?

8. Was wird die Stiftung konkret in Zukunft unternehmen, um die Umsetzbarkeit und Nachhaltigkeit der bewilligten Projekte besser zu unterstützen?

Begründung

Die Stiftung Forschung 3R bezweckt, die Forschung auf dem Gebiet der Alternativmethoden zu Tierversuchen durch Finanzierung von Forschungsprojekten zu fördern. Sie unterstützt vordringlich Projekte zur Erforschung neuer Methoden oder zur Weiterentwicklung bekannter Methoden (Validierung von Methoden), welche im Sinne der 3 R (Reduce, Refine, Replace/Vermindern, Verbessern, Vermeiden) gegenüber der heutigen Tierversuchspraxis praktisch anwendbare Verbesserungen versprechen.

Für das Jahr 2008 wurden Beiträge in der Höhe von 850 000 Franken an die Stiftung gegeben (je 425 000 Franken von Bund und Interpharma). Tatsächlich unterstützt wurde für 555 000 Franken, und auf Ende 2008 hat die Stiftung noch 560 000 Franken an nichtverbrauchten Beiträgen zur Verfügung. Für das Jahr 2010 stehen rund 500 000 Franken für Projekte zur Verfügung. Seit 2001 steigt die Anzahl Beitragsgesuche immer wieder an (15 Gesuche 2001,13 Gesuche 2002, 25 Gesuche 2003, 24 Gesuche 2004, 17 Gesuche 2005, 23 Gesuche 2006, 14 Gesuche 2007, 28 Gesuche 2008) - jedoch ist die Anzahl genehmigter Projekte seither konstant bei vier bis sechs pro Jahr. Das löst einige Fragen aus. Es ist beispielsweise nicht ersichtlich, welche geförderten Projekte der Stiftung konkret wie vielen Tieren pro Jahr den Tierversuch ersparen.

Mitunterzeichnende (7)

Birrer-Heimo Prisca, Donzé Walter, Ingold Maja, Jans Beat, Moser Tiana Angelina, Stump Doris, Zisyadis Josef

 

Antwort des Bundesrates vom 25.08.2010

1. Bei der Stiftung Forschung 3R handelt es sich um eine privatrechtliche Stiftung. Gemäss deren Angaben wird jedes der von ihr finanzierten Projekte in einer erweiterten Kurzfassung und mit den Ergebnissen auf ihrer Website (http://www.forschung3r.ch/index.html) publiziert. Die Kurzfassungen der laufenden Projekte werden jährlich auf den neuesten Stand gebracht. Bei abgeschlossenen Projekten sind die Auswirkungen auf die 3R beschrieben und die publizierten Arbeiten aufgelistet. Insofern sind diese Informationen allgemein zugänglich und überprüfbar.

2. Nach Angaben der Stiftung Forschung 3R evaluiert der Expertenausschuss das Projekt bereits während dessen Ablauf. Ob ein bewilligtes Projekt als "erfolgreich abgeschlossen" bewertet werden kann, wird unter anderem daran bemessen, ob die wissenschaftliche Publikation überzeugt. Weiter wird beurteilt, welche Bedeutung das Projektergebnis für den Tierschutz (3R-Grundsätze) hat.

3. Gemäss der Stiftung Forschung 3R wird eine individuelle Überprüfung und Erfolgskontrolle der Projektarbeiten vorgenommen. Die laufenden Projekte werden jeweils von einem Experten begleitet. Der wissenschaftliche Berater rapportiert dem Stiftungsrat jährlich über die Erfolge bzw. Probleme in diesen Projekten. Bei abgeschlossenen Projekten unterbreitet er dem Stiftungsrat aufgrund der Beurteilung des begleitenden Experten und der Evaluation durch den Expertenausschuss eine Würdigung des Projekts. Nach einem abgeschlossenen Projekt prüft der Expertenausschuss insbesondere, ob eine nachhaltige Bearbeitung durch die Stiftung anzustreben ist, damit die 3R-Relevanz des abgeschlossenen Projekts erhöht werden kann.

4./5. Die Forschungsergebnisse zeigen Verbesserungsmöglichkeiten für Replace, Reduce, Refine (Vermeiden, Vermindern, Verbessern) von Tierversuchen in der Forschung auf. Es wird keine Statistik über nichtdurchgeführte Tierversuche geführt. Im Jahr 2009 ist die Zahl der in Tierversuchen verwendeten Tiere gemäss Statistik des Bundesamtes für Veterinärwesen gesunken. In den Jahren zuvor war der Anstieg der Anzahl Tiere in Versuchen bedeutend geringer als die Zunahme der Forschungstätigkeit auf dem Gebiet von "Life Sciences" und geringer als die Zunahme der Forschungs- und Entwicklungsgelder in der Industrie.

6. Nach Angaben der Stiftung Forschung 3R limitieren die zur Verfügung stehenden Mittel ihre Aktivitäten. Es erscheint ihr nicht zweckmässig zu sein, die vorhandenen Mittel zur Teilfinanzierung auf eine grössere Anzahl Gesuche aufzuteilen.

7. Laut der Stiftung Forschung 3R umfassen die Gesuche jährlich Begehren von etwa 4 000 000 Franken. Die Forschungsbeiträge belaufen sich auf etwa 645 000 Franken pro Jahr. Damit können zusätzlich zu den laufenden Projekten jährlich 3 bis 6 neue Projekte finanziell unterstützt werden. Um 50 Prozent der Gesuche mit 3R-relevanten Fragestellungen (teil)finanzieren zu können, würde die Stiftung Forschung 3R gemäss ihren Angaben jährlich etwa 1 500 000 Franken an zusätzlichen Mitteln benötigen.

8. Um in der Umsetzung neuer Methoden in die Praxis weitere Fortschritte erzielen zu können, hat die Stiftung Forschung 3R erklärt, sie wolle in Zukunft mehr bestrebt sein, neben ihrer Kernaufgabe, der Ausrichtung von Forschungsbeiträgen, eine aktivere Rolle als nationale Plattform zur Verbreitung des 3R-Gedankens in der Schweizer Forschergemeinde wahrzunehmen.


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