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08.3537 – Interpellation

Botox-Produkte. Schönheitswahn auf Kosten von grausamen Tierversuchen?

Eingereicht von : Graf Maya
Einreichungsdatum : 25.09.2008
Eingereicht im : Nationalrat
Stand der Beratung : Erledigt

Suivre : http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20083537

Eingereichter Text

Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:

1. Welche Möglichkeiten sieht er, um den steigenden kosmetischen Behandlungen mit dem Nervengift Botox zur Bekämpfung von Gesichtsfalten entgegenzuwirken, vor dessen Nebenwirkungen selbst die Swissmedic am 12. Juni 2008 gewarnt hat?

2. Welche Möglichkeiten sieht er zur Eindämmung der grausamen Tests bei Tausenden von Nagern im Ausland, da bei jeder Produktionseinheit erneut die Wirksamkeit und Sicherheit geprüft werden müssen?

3. lst er bereit, die Swissmedic als nationale Arzneimittelzulassungsbehörde anzuweisen, die Validierung der tierversuchsfreien Testmethode Snap-25 Endopeptidase Activity Assay für die Botulinumtoxin-Produkte Botox, Vistabel und Dysport sowie zukünftige Zulassungsanträge von Produkten mit demselben Inhaltsstoff so rasch wie möglich vorzunehmen?

4. lst er bereit, als längerfristiges Ziel diese von der britischen Kontrollbehörde NIBSC entwickelte Alternativmethode anstelle der heute üblichen, extrem grausamen LD-50-Tierversuche für den Import von Botulinumtoxin-Produkten zur kosmetischen Verwendung als verbindlich zu erklären?

5. lst er bereit, die meist ahnungslosen Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten von "Botox-Kosmetika" über die extremen Tierquälereien bei der Produktion/Prüfung dieser Substanzen im Ausland zu informieren?

6. Könnte er sich eine Produkte-Deklaration, welche unmissverständlich zum Ausdruck bringt, dass in der Schweiz derartige Tierversuche nicht bewilligt würden, vorstellen?

Begründung

Botulinumtoxin ist eines der stärksten verfügbaren Nervengifte. Nur ein Esslöffel davon könnte den Bodensee vergiften. Trotzdem findet es seit einigen Jahren mit steigendem Trend Anwendung bei der kosmetischen Behandlung. In der Schweiz sind weitere, praktisch identische Produkte unter den Namen Vistabel und Dysport zugelassen.

Für jede Produktionseinheit dieser Produktegruppe wird von den Herstellern der Tierversuch LD-50 durchgeführt, bei dem mindestens die Hälfte der Versuchstiere (pro Charge in der Regel 100 Mäuse oder Ratten) nach tagelangem Todeskampf bei vollem Bewusstsein durch den Erstickungstod ums Leben kommt.

Die kantonalen Tierschutzkommissionen erteilen seit Jahren keine Bewilligungen für Tierversuche für kosmetische Produkte. Aus diesem Grund ist es als Widerspruch zu betrachten, wenn die Schweiz die Einfuhr von Produkten zulässt, denen derart belastende Tierversuche vorangegangen sind. Deshalb sollten die bereits entwickelten Alternativmethoden endlich validiert werden.

Mitunterzeichnende (14)

Aeschbacher Ruedi, Bänziger Marlies, Bruderer Wyss Pascale, Hodgers Antonio, John-Calame Francine, Lachenmeier-Thüring Anita, Lang Josef, Leuenberger Ueli, Moser Tiana Angelina, Müller Geri, Prelicz-Huber Katharina, Schelbert Louis, Teuscher Franziska, van Singer Christian

 

Antwort des Bundesrates vom 05.12.2008

1./5. Botulinumtoxine sind sehr starke Nervengifte, die von Bakterien produziert werden. Bereits in kleinen Dosen führen sie bei Mensch und Tier zu Lähmungserscheinungen, im weiteren Verlauf zu Koma und schliesslich zum Tod. In sehr geringen Dosen werden sie zur Therapie von Störungen des Nervensystems beim Menschen eingesetzt, beispielsweise für die Behandlung von Muskelkrämpfen. Bei der Herstellung entsprechender Arzneimittel sind aufgrund der starken Toxizität des Wirkstoffes umfangreiche Sicherheits- und Wirksamkeitsprüfungen nach international gültigen Standards zwingend.

In der Schweiz hat Swissmedic ein einziges Medikament für folgende Indikation zugelassen: Vistabel ist indiziert für die medizinisch-therapeutische Behandlung von schweren Stirnfalten über der Nasenwurzel. Die anderen Präparate mit dem gleichen Wirkstoff (Botox und Dysport) sind für andere medizinische Anwendungen zugelassen. Aufgrund ihres Gefährdungspotenzials unterstehen alle drei Präparate der verschärften Verschreibungspflicht (Abgabekategorie A). Botulinumtoxinhaltige Kosmetika jedoch sind in der Schweiz nicht auf dem Markt.

Die Anwendung dieser Arzneimittel zu kosmetischen Zwecken stellt einen Einsatz ohne behördliche Genehmigung und ausserhalb der in der Arzneimittelinformation vorgesehenen Anwendungen dar (off-label use). Der Entscheid zur Behandlung und die Verantwortung für den Einsatz liegen allein bei der behandelnden Ärztin, dem behandelnden Arzt.

Die Kontrolle der Arztpraxen obliegt den Kantonen. Wenn vermutet wird, dass die ärztliche Sorgfaltspflicht bei der Verschreibung und Anwendung von Arzneimitteln nicht eingehalten wird, haben die kantonalen Instanzen entsprechende Massnahmen einzuleiten.
Was die Informationstätigkeit des Bundes betrifft, hat Swissmedic bereits am 12. Juni 2008 in einer Mitteilung auf die Gefahren für Patientinnen und Patienten aufmerksam gemacht.
Dabei wurde auch auf die Problematik der LD50-Tests hingewiesen.

Die Verantwortlichkeiten bezüglich Verschreibung, Abgabe und Anwendung sowie die Aufklärung der Patienten sind klar geregelt. Zudem entscheidet letztlich der Patient oder die Patientin darüber, ob diese Arzneimittel als Kosmetika verwendet werden. Der Bundesrat hat nicht vor, etwas an diesen Zuständigkeiten zu ändern.

2. Um Patientinnen und Patienten bei der Therapie nicht zu gefährden, müssen alle Arzneimittel bei der Herstellung nach den Vorschriften in den Arzneibüchern (Pharmakopöe) geprüft werden. Neben dem LD50-Test an Mäusen (Referenzmethode) sind bereits heute drei weitere Tests aufgeführt, welche nach entsprechender Validierung eingesetzt werden können.

Die Problematik der LD50-Tests wurde international erkannt, und es werden erhebliche Anstrengungen unternommen, diese Tests zu ersetzen. Swissmedic unterstützt im Auftrag des Bundes diese Bemühungen im Rahmen der internationalen Organisation ICH (International Conference on Harmonization of Technical Requirements for Registration of Pharmaceuticals for Human Use).

Die Produktfreigabe erfolgt nach internationalen Standards, ausschliesslich im Ausland, und die Entwicklung von alternativen Testmethoden ist langwierig und aufwendig. Die Problematik kann nur in internationaler Zusammenarbeit befriedigend gelöst werden. Dies bestimmt auch die Haltung des Bundesrates in dieser Frage.

3. Die Arzneimittelbücher sehen bereits heute drei alternative Tests zur Sicherheits- und Wirksamkeitsprüfung von Botulinumtoxin-Präparaten vor. Swissmedic anerkennt diese Tests bei der Zulassung von neuen Präparaten.

Im globalisierten Pharmamarkt ist ein Alleingang der Schweiz in dieser Hinsicht wenig sinnvoll (vgl. auch Frage 2). Wirksamkeitsprüfungen und Chargenfreigabe werden ausschliesslich im Ausland nach international gültigen Normen und Standards durchgeführt. Die Problematik kann, wie bereits ausgeführt, nur in internationaler Zusammenarbeit, beispielsweise im Rahmen der internationalen Organisation ICH, gelöst werden.

4. Endopepdidase Assays können derzeit den LD50-Test bei der Prüfung der Wirksamkeit von Botulinumtoxin-Präparaten nicht vollständig ersetzen. Die von der britischen Kontrollbehörde entwickelte Methode ist daher nur für gewisse Indikationen eine Alternative zum LD50-Test. Sie ist aber geeignet, die Anzahl der benötigten Versuchstiere in Zukunft zu reduzieren.

Würde der von der Interpellantin favorisierte Test für Arzneimittel mit Botulinumtoxin vorgeschrieben, käme dies zum heutigen Zeitpunkt einem Importverbot gleich und würde die Versorgung mit diesen medizinisch notwendigen Produkten gefährden. Eine Lösung ergibt sich für den Bundesrat nur durch die internationale Zusammenarbeit, wo Swissmedic im Rahmen der ICH bereits aktiv ist.

6. Eine Anpassung der Deklaration botulinumtoxinhaltiger Arzneimittel wäre, nach Anpassung der gesetzlichen Vorschriften, grundsätzlich möglich. Konsequenterweise müssten aber alle Produkte, die im LD50-Test geprüft worden sind, gekennzeichnet werden.

Die Wirkung einer Deklaration auf der Verpackung oder in der Arzneimittelinformation ist allerdings fraglich, weil die betroffenen Arzneimittel ausnahmslos injiziert werden müssen und daher ausschliesslich durch die Ärztin oder den Arzt angewendet werden. Patientinnen und Patienten würden durch eine entsprechende Deklaration kaum erreicht. Der Bundesrat hält deshalb eine solche Deklaration nicht für zielführend.


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