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September 2007 - Baldiger Beginn der neuen Jagdsaison

Katzen aufgepasst

Im Juni 2006 stand die Walliser Gemeinde Grimisuat wegen der Tötung von fünf streunenden Katzen im Blickpunkt. Im November machten die Behörden von Orsières mit einer geplanten Abschussaktion auf sich aufmerksam. Die heftigen Reaktionen bewogen die Gemeinde schliesslich, auf ihr Vorhaben zu verzichten und die „Fondation chats des rues au Bouveret“ (VS) einzuschalten. Diese fing die acht streunenden Katzen ein und liess sie sterilisieren.
Die mit den Vorkommnissen verbundene Pressekampagne deckte Missstände auf, die der Öffentlichkeit bis anhin verborgen geblieben waren. In allen Schweizer Kantonen wird auf völlig legale Weise auf Katzen geschossen. Dies gilt sogar für den Kanton Genf, in dem die Jagd verboten ist.

Von der Journalistin einer Westschweizer Tageszeitung befragt, meinten verschiedene Interviewpartner – aus Scheinheiligkeit oder Unwissenheit – in der Romandie würden nirgendwo sonst streunende Katzen abgeschossen 1). „Davon habe ich noch nie etwas gehört“, erklärte der Neuenburger Kantonstierarzt. „Nein, nein. Hier haben wir noch nie von einer solchen Methode zur Beseitigung wilder Katzen gehört“, gab auch der Genfer Tierschutzverein zu verstehen. Freiburg wollte ebenfalls nichts von solchen Abschussaktionen wissen. Der Waadtländer Kantonstierarzt seinerseits erklärte: „Solche Praktiken sind mir nicht bekannt. Diese Methode wäre wirklich die letzte Notlösung.“

Der Kiefer dieser Katze, die im Tierspital mittels Infusionen ernährt wird, muss fixiert werden. Das Tier hat noch Glück gehabt, dass es angeschossen ins Spital eingeliefert wurde. Wie viele Katzen werden jährlich durch Schützen tödlich verletzt ?

Einen Monat später wird der verfehlte und besonders dumme Schuss eines Hilfswildhüters in La Tour-de-Peilz (VD) bekannt. Dieser hatte eine dreijährige Katze ins Visier genommen. Der Vorfall machte dem Waadtländer Kantonstierarzt möglicherweise deutlich, dass das Abschiessen von Katzen in seinem Kanton gang und gäbe ist. Die erwähnte Katze, deren Kiefer vom Schrot zertrümmert wurde, befand sich mehrere Wochen auf der Intensivstation des Berner Tierspitals. Die Besitzerin reichte gegen den Hilfswildhüter Klage ein. „Das Schiessen auf streunende Katzen und Hunde ist verboten, aber der Verantwortliche wurde weder beurlaubt noch entwaffnet.“ Erstaunlich waren auch die Gründe, die den Mann dazu bewogen hatten, sich des Tieres zu entledigen. Eine verärgerte Nachbarin hatte sich offensichtlich darüber beklagt, die Katze würde durch ihren Garten laufen. In der Folge habe sie gebeten, man möge ihr das Tier vom Leib schaffen.

Katzen in allen (?) Kantonen abgeschossen

Aus den verschiedenen kantonalen Jagdstatistiken, die im Internet veröffentlicht werden, geht hervor, wie viele Katzen tatsächlich abgeschossen werden:
Freiburg: 2005 gaben die Jäger an, 15 Katzen abgeschossen zu haben. Das Amt für Wald, Wild und Fischerei schoss selber 66 Tiere ab. Da sind rund 81 Tiere in einem Kanton, in dem ein solches Vorgehen „unbekannt“ ist.
Waadt: Der „Service de la faune“ schoss 2005 insgesamt 10 Tiere ab. 41 Katzen fielen der „Regulierung“ des Bestandes durch die Hilfswildhüter 2) (des „Service de la faune“) zum Opfer. 2005 wurden somit 51 Katzen „offiziell“ getötet. Unbekannt ist die Zahl der von Jägern abgeschossenen Katzen.
Neuenburg: Dieser Kanton weigert sich, Angaben zu Abschussstatistiken zu liefern. Sein Jagdverband gibt jedoch jedes Jahr den Abschuss mehrerer Dutzend Feldhasen bekannt, obwohl diese in der ganzen Schweiz bedroht sind 3). Den Neuenburger Katzenhaltern kann somit nur geraten werden, auf ihre Tiere aufzupassen.
Genf: Erstaunlicherweise wurden in diesem Kanton, in dem die Jagd verboten ist, im Jahr 2006 fünf Exemplare, 2005 drei Tiere und 2004 neun Katzen abgeschossen. In den Jahren 1977 bis 1987 fand ein richtiggehendes Abschlachten statt. Seit dem Jagdverbot im Jahr 1972 wurden 2’702 Katzen erlegt.

Die Deutschschweizer Kantone scheinen mit der Veröffentlichung solcher Zahlen viel zurückhaltender zu sein. Trotzdem zeigt sich, dass in Schaffhausen im Jahr 2005 vier Katzen abgeschossen wurden.
Wie viele Katzen in der Schweiz tatsächlich jedes Jahr erlegt werden, lässt sich nicht eruieren. Die eidgenössischen Jagdstatistiken liefern keine entsprechenden Hinweise. Sie geben aber an, in welchen Perioden legal auf Katzen geschossen werden darf. Auch bei den Jägern besteht mit Sicherheit ein Unterschied zwischen den tatsächlich erfolgten und den zugegebenen Abschüssen. Man kann sich fragen, wieso diese überhaupt teilweise eingestanden werden. Der Unterschied ist mit Sicherheit so gross, dass man sich besser nicht auf gewagte Schätzungen einlässt.

Abschussbedingungen

Somit stellt sich die Frage, unter welchen Bedingungen Katzen abgeschossen werden dürfen. Werden Tiere erlegt, die kein Halsband tragen oder sich zu weit von zu Hause entfernen?
Im Kanton Waadt sind Abschüsse erlaubt, wenn sich Katzen mehr als 200 Meter von ihrem Zuhause entfernen. Diese Vorschrift wurde beispielsweise bei der Katze mit dem zermalmten Kiefer nicht eingehalten. Gemäss den Aussagen des „Service de la faune“ versichern sich die Schützen in diesem Kanton, in dem Katzen jeweils von Oktober bis Februar als „jagbare Art“ gelten, vorgängig nicht einmal, ob die Tiere ein Halsband tragen. Auch in den anderen Kantonen sieht die Lage für die Vierbeiner nicht besser aus. Fast alle kantonalen Behörden machen in etwa dieselben Feststellungen. 
Sollte Ihr Vierbeiner also eines Nachts nicht mehr nach Hause kommen, so ist das Verschwinden möglicherweise nicht auf den Strassenverkehr zurückzuführen. 

Teure, aber effiziente Kampagnen

Wie alle Wildtiere können verwilderte Hauskatzen an verschiedenen Krankheiten und Infektionen leiden. Ihr Leben ist meist kurz. Im Gegensatz zu anderen „Wildtierarten“ mischen sich aber verwilderte Hauskatzen insbesondere zur Fortpflanzung mit Hauskatzen. Diese sind somit Krankheiten ausgesetzt, die von verwilderten Hauskatzen übertragen werden. Aus tierschützerischer Sicht ist eine unkontrollierte Vermehrung der verwilderten Hauskatzen ebenso inakzeptabel wie ihr Abschuss. Viele kantonale Tierschutzvereine haben deshalb Kampagnen zur Sterilisierung und Kastration streunender Katzen lanciert. Gemäss eigenen Angaben gibt der Schweizer Tierschutz (STS) jährlich CHF 250'000.- aus, um Zehntausende von Kastrationen zu finanzieren. Diese werden von den 62 Sektionen im ganzen Land durchgeführt.
Obwohl die LSCV kein Tierheim ist, finanziert sie ebenfalls Sterilisierungskampagnen in mehreren Kantonen. Dies gilt insbesondere für Bern, Freiburg, Genf, Neuenburg, Tessin und Zug.
Damit die LSCV eine solche Aktion finanziert, müssen folgende Bedingungen eingehalten werden: 
- Die Katzen müssen nach der Operation an dem Ort freigelassen werden, an dem sie eingefangen wurden.
- Die Katzenpopulation muss möglichst stabil gehalten werden.
- Die operierten Katzen sind regelmässig zu ernähren.

Note:

1) Als „verwilderte Hauskatze“ gelten Hauskatze, die wieder wild leben. Sie können bei Menschen aufgewachsen oder in der Natur geboren sein. Der Unterschied zu den Hauskatzen ist rein ethologischer Art. Die verwilderte Hauskatze ist nicht mit der Wildkatze zu verwechseln, bei der drei morphologische Typen unterschieden werden (Europäische, Afrikanische und Asiatische Wildkatze).
Um ein Exempel zu statuieren, wurde die verwilderte Hauskatze in Frankreich 1988 von der Liste der jagbaren Arten sowie der Arten gestrichen, die als schädlich eingestuft werden könnten.

2) Nach dem Skandal, den der Abschuss der am Kiefer verletzten Katze auslöste, hat der Waadtländer „Service de la faune“ im April dieses Jahres seinen Hilfswildhütern das Abschiessen von Katzen verboten. Die Aufgabe wurde dem Tierschutzverein des Kantons Waadt (SVPA) übertragen.

3) In der Schweiz gibt es nur noch drei Hasenpopulationen – eine in Genf und zwei im Wallis.


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