19. September 2009 - Aktionstag und Demonstration für die Abschaffung aller Tierversuche

ZUGETIVE 2009

Am Samstag, den 19. September 2009, fand auf der Place Georges-Python in Freiburg unser Aktions- und Informationstag „Zusammen gegen Tierversuche“ statt. Dieser wurde bereits zum zweiten Mal durchgeführt.

Wie schon bei der ersten Ausgabe von ZUGETIVE letztes Jahr in Bern befanden sich die Informationsstände der drei Veranstalter ATRA, AGSTG und SLGV in einem gemeinsamen grossen Zelt. Andreas Item und Massimo Tetamanti befassten sich in ihrem Vortrag mit den Alternativmethoden. Im Zelt wurden verschiedene Verfahren vorgestellt, darunter insbesondere zwei Übungsmodelle der Mikrochirurgie. Diese dienen dazu, die Schweine und Ratten zu ersetzen, welche normalerweise bei solchen Versuchen verwendet werden. Den Anwesenden bot sich zudem die Gelegenheit, verschiedene Softwareprogramme zu testen. Diese ersetzen die Nager und Amphibien, an denen im Rahmen unserer Universitäten seit Jahrzehnten das Sezieren geübt wird.
In einem Aussenzelt wurden Filme zu Tierversuchen gezeigt. Zum Abschluss der Veranstaltung fand ein Umzug statt, der von der Place Georges-Python durch die Strassen Freiburgs Richtung Universität Pérolles führte. Diese hält Affen die für Tierversuche eingesetzt werden.

Übertriebenes Polizeiaufgebot

Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen eines umfassenden Polizeiaufgebots. Ebenso auffällig waren die Polizeiwagen und Einsatzfahrzeuge. Bedauerlicherweise hatte die Polizei beschlossen, die Veranstaltungsteilnehmer bei ihrer Ankunft am Bahnhof Freiburg sorgfältig unter die Lupe zu nehmen. Sie mussten sich zahlreichen Kontrollen unterziehen. Dreizehn Personen wurden willkürlich verhaftet. An einer Demonstration teilzunehmen, stellt ein demokratisches Grundrecht dar. Somit ist zu begrüssen, dass die Gegner von Tierversuchen offen zu ihrer Meinung stehen und diese öffentlich kundtun, statt auf anonyme Weise im Hintergrund zu agieren.

Fragwürdiges Verhalten der Universität Freiburg

Das Polizeiaufgebot war teilweise auf die Aktionen zurückzuführen, die sich im Sommer gegen Novartis richteten. Die Universität Freiburg schloss sich der voreingenommenen Haltung zweifellos an.
Nachdem bekannt war, dass eine weitere Ausgabe von ZUGETIVE stattfinden sollte, beschloss die Universität Freiburg, am selben Tag eine Gegenveranstaltung durchzuführen. Sie kündigte „die Mobilisierung der gesamten wissenschaftlichen Gemeinschaft“ an. Geplant waren zahlreiche Vorträge. Im Rahmen von öffentlichen Ständen sollte die Bevölkerung über die positiven Aspekte von Tierversuchen informiert werden.
Am Veranstaltungstag selber war keine Rede mehr von öffentlichen Ständen. Die Vorträge beschränkten sich auf drei bis vier Darbietungen der üblichen Redner, welche stets die Tätigkeit verteidigen, mit der sie ihr tägliches Brot verdienen. Sie fanden vor knapp sechzig jungen Forschern und Studierenden statt. In Anbetracht der Tatsache, dass alleine die medizinische Fakultät tausend Studierende zählt, war dies äusserst wenig. Zudem stellt sich die Frage, wie viele Studierende sich einzig deswegen eingefunden hatten, um sich von ihren Professoren später keine Vorwürfe anhören zu müssen. Die „Mobilisierung der wissenschaftlichen Gemeinschaft“ schien sich auf die oben erwähnten Redner und den Rektor zu beschränken. Von einigen Sicherheitsbeamten umgeben stand dieser als Türsteher beim Eingang des Auditoriums im Einsatz.

Die mangelnde Beteiligung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler war im Übrigen recht erstaunlich. Zwar liess der Rektor der Universität verlauten, „jedes Individuum hat ein Recht darauf, sich eine eigene Meinung zu diesem Thema zu bilden“ (Anm. d. Red.: Tierversuche). Ein Dokument, das auf diskrete Weise allen Forscherinnen und Forschern zugestellt wurde, schlug aber einen bedeutend aggressiveren Ton an. Darin war zu lesen, die Organisatoren von ZUGETIVE würden „mit terroristischen Methoden gegen die medizinische Forschung vorgehen“ und man müsse gegen „diese Aktivisten zurückschlagen“. Schliesslich wurde die wissenschaftliche Gemeinschaft „höflich dazu aufgefordert“, zur „Verteidigung von Tierversuchen beizutragen (sic!)“ und „ihre nächsten Mitarbeitenden entsprechend zu motivieren“.
Dass die Universität die Konfrontation suchte, ist zu bedauern. Dass sie aber ihre Aktionen mit der Begründung absagte, die Forscher hätten Angst vor Angriffen an ihrem Stand, ist doch ziemlich erschreckend. Dies umso mehr, da die Hochschule ihre Studierenden aufforderte, sich am Veranstaltungstag „aus Sicherheitsgründen“ nicht an die Universität zu begeben. Tierversuche sind in ethischer Hinsicht inakzeptabel. Es ist völlig normal, dass die Gegnerinnen und Gegner solcher Experimente ihren Standpunkt öffentlich darlegen können. Mit dem Versuch, sie als „Terroristen“ hinzustellen, zeichnet die Universität ein wenig schmeichelhaftes Bild von sich als Bildungsinstitution.

Links:

17. März 2010 - Fortsetzung im Zusammenhang mit unserer Petition

16 september 2009 - Übergabe der Petition„Stoppt die Affenversuche an der Universität Freiburg“

11 Mai 2009 - Start der Petition von AG STG, ATRA und SLGV

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Max Moret (LSCV), Fanny (Lausanimaliste) Max Molteni (ATRA)
Maja Schmid (LSCV), Luc Fournier (LSCV)
Elena Grisafi (ATRA), Massimo Tettamanti (ATRA), Andreas Item (AGSTG)

Dieses Jahr war die SLGV für den Essstand zuständig, an dem ausschliesslich vegane Ernährung angeboten wurde. Den ganzen Tag hindurch wurden Seitan-Geschnetzeltes, Würste, Pommes Frites und Hot Dogs verkauft.