Universitäten
und Tierversuche
Die meisten der befragten Personen nehmen
oft mit Überraschung zur Kenntnis,
dass an der Universität der Stadt,
in der sie wohnen, zahlreiche Tierversuche
durchgeführt werden.
Es gibt jedoch Zehntausende von Forschungsgruppen,
die an Universitäten und anderen öffentlichen
Einrichtungen weltweit Tierversuche betreiben.
Allein in der Schweiz beschäftigen
die Kantone Basel, Zürich, Waadt,
Genf, Freiburg und Neuenburg an ihren Hochschulen
Hunderte von Forscherteams, die an verschiedenen
Fakultäten tätig sind.
Diese Gruppen befassen sich hauptsächlich
mit Projekten der Grundlagenforschung.
Im Unterschied zur Pharmaindustrie, die
Forschung betreibt, um ein neues Medikament
zu entwickeln, versucht die Grundlagenforschung
insbesondere, eine wissenschaftliche Frage
zu beantworten: Spielt das Protein A bei
der Krankheit B eine Rolle? Wird es die
Entwicklung des Krankheitsbildes Y beeinflussen,
wenn ich Gen X deaktiviere?
In Anbetracht solch höchst interessanter
Fragen scheren sich die Wissenschaftler
einen Deut darum, ob diese Fragen eines
Tages wirklich der Medizin zugute kommen.
Die Hauptsache ist ihrer Meinung nach,
möglichst viele Fragen zu beantworten.
Anschliessend wird dann schon etwas daraus
werden.
Einverstanden.
Stellt es für das
umfassende Verstehen einer menschlichen
Krankheit aber nicht ein ernsthaftes
Problem dar, wenn sich die Antwort, die
von einer Ratte ausgehend vorliegt, nicht
auf den Menschen übertragen lässt?
Wenn eine Antwort nicht reproduzierbar
ist, kann dies nicht andere Antworten
in Frage stellen, die vorgängig
erhalten wurden? Und wenn ja, wie können
diese unter Tausenden von neuen gesammelten
und jedes Jahr publizierten Antworten
erkannt werden?
Auf solche Fragen zu antworten, ist nicht
die Aufgabe des Wissenschaftlers. Erstens
ist es nie angenehm, zugeben zu müssen,
dass die eigene Arbeit so viele Schwachstellen
enthält, dass man jegliches Interesse
daran verliert. Zudem hat ein Wissenschaftler
wie die meisten von uns Rechnungen zu
bezahlen und dies ist im Allgemeinen
nur möglich, wenn seine Arbeit weitergeführt
wird.
Haufenweise Publikationen
„Eine Forschergruppe isoliert das Gen der Angst. Ihre Arbeiten eröffnen
die Wege zu einem neuen Medikament, um Phobien zu heilen“, berichtet
eine Journalistin begeistert über einen neuen wissenschaftlichen Artikel.
Jeden Tag veröffentlichen Forscherteams
so genannt wichtige Ergebnisse. Kaum
sind die Resultate ihrer Forschung in
einer wissenschaftlichen Zeitung erschienen,
werden sämtlichen Medien Pressemitteilungen
zugesandt. Oft werden sie als Artikel
verfasst, die unverändert publiziert
werden können. Dies ganz zur Freude
gewisser Journalisten, die nur noch ein
Copy & Paste vornehmen müssen,
bevor sie ihre Begeisterung öffentlich
kundtun.
Wie die internationalen
Statistiken zeigen, tragen nur 5% der
in der Grundlagenforschung betriebenen
Experimente auch tatsächlich
zur Entwicklung neuer Medikamente bei.
Mit anderen Worten – 95% der öffentlichen
Gelder, die für diese Wissenschaftler
eingesetzt werden, dienen nur dazu, diesen
ein Einkommen (1), Sozialleistungen und
eine gewisse Anerkennung im Rahmen ihres
wissenschaftlichen Kollegiums zu verschaffen.
Verschwendetes
Geld und unnötiges
Leiden
Natürlich könnte man einwenden,
bei der bestehenden Situation handle
es sich nur um eine Verschwendung unter
zahlreichen anderen, die auf eine schlechte
Verwendung der Gelder durch die Verwaltung
zurückzuführen ist. Im vorliegenden
Fall ist die Verschwendung aber auch
mit unnötigem Leiden von Hunderttausenden
von Tieren jedes Jahr verbunden. Es ist
höchste Zeit, dass wir die Tierversuche
abschaffen!
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(1) Gemäss den vom SNF veröffentlichten
Zahlen 2008 machen Löhne und Sozialausgaben
67% (137 Millionen Schweizer Franken)
der gesamten Beiträge aus, die an
Wissenschaftler für Projekte der
Abteilung 3 Biologie und Medizin entrichtet
werden. |