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Oktober
2007
Tierversuchsstatistik
2006
„Tierversuchsstatistik 2006:
stabile Tierzahlen“ kündigte das Bundesamt für
Veterinärwesen (BVET) in seiner Pressemitteilung vom
6. September an. Verschiedene Journalisten waren zu faul, diese Zahlen
genau zu überprüfen, und übernahmen die Aussage völlig
unreflektiert. Am nächsten Tag war deshalb in den Tageszeitungen
zu lesen: „Tierversuche in der Schweiz: Zahlen sind gleich
geblieben.“
Normalerweise wird unter Stabilität ein konstanter,
gleich bleibender Zustand verstanden. Für das BVET scheint dies
nicht zu gelten, bezeichnete es doch eine Zunahme von 1,7% (+12'000 Tiere)
in der Schweiz als Stabilität. Stabil war in den letzten fünf
Jahren insbesondere die ständige Zunahme der für Versuche verwendeten
Tiere. Mit 716'000 Tieren im Jahr 2006 sind wir zu den Zahlen der Jahre
1995/96 zurückgekehrt.
Wie schon in den Jahren zuvor kündigte das BVET erneut an: „Für
Kosmetika wurden auch 2006 keine Tiere eingesetzt.“ Wiederum wurde
die gute Nachricht von zahlreichen emsigen Journalisten verbreitet. Angesichts
der Tatsache, dass solche Tests in Europa seit vielen Jahren verboten
sind, wäre es ja noch schöner, wenn die Schweiz da eine Ausnahme
machen würde. Schon seit langem ist jedoch bekannt, dass nicht die
Kosmetika selber, sondern vielmehr ihre Inhaltsstoffe an
Tieren getestet werden. Dieser Unterschied ist massgebend. Während
die EU nämlich alle Tierversuche für Substanzen verboten hat,
die einem kosmetischen Zweck dienen, können solche Versuche in der
Schweiz auch weiterhin durchgeführt werden. Folgerichtig müsste
das BVET bei der Veröffentlichung der Zahlen im Jahr 2009 ankündigen: „Wie
schon 2008 wurden auch dieses Jahr alle neuen Substanzen, die für
die Herstellung von Kosmetika verwendet wurden, in der Schweiz getestet.
In Europa ist ein solches Vorgehen verboten.“
Eine positive
Note
Jedes Jahr liefert das BVET die ständig gleiche Abfolge nackter
Zahlen und veröffentlicht so genannt transparente Rubriken, die
nichts über die tatsächlich von Tieren erlittenen Versuche
aussagen. Trotzdem ist den Statistiken eine positive Note zu entnehmen: „Einem
deutlichen Wachstum in der Grundlagenforschung (+8%) steht eine Abnahme
in der angewandten medizinischen Forschung gegenüber (-4%).“
Grundlagenforschung wird in der Schweiz hauptsächlich an den Universitäten
oder Technischen Lehranstalten (Forschung an öffentlichen Instituten)
betrieben. Im Wesentlichen geht es für die Wissenschaftler darum,
Hypothesen zu testen. Diese landen im schlimmsten Fall in einer Schublade
und werden im besten Fall in einer der zahlreichen wissenschaftlichen
Publikationen verwendet. Die ständig zunehmende Zahl der Versuchstiere
erstaunt nicht weiter, beteiligt sich doch (fast) jedes Labor an der
Züchtung oder Herstellung transgener Tiere. Deren zahlreiche Linien
sind um jeden Preis zu erhalten, da sie „für die Wissenschaft
von grundlegendem Interesse sind“. Dafür aufkommen muss der
Steuerzahler. Die zweifelhaften Praktiken in Frage zu stellen, scheint
derzeit kein Thema zu sein.
Ermutigend ist hingegen die rückläufige Zahl der in der angewandten
medizinischen Forschung (hauptsächlich in Labors oder bei privaten
Pharmagesellschaften durchgeführte Versuche) verwendeten Tiere.
Sie beweist, dass Alternativmethoden von den Forschungslabors nicht mehr
einfach ignoriert werden. Die in den letzten Jahren in diesem Bereich
erzielten Fortschritte haben zur Folge, dass solche Methoden zu unerlässlichen
Instrumenten bei der Untersuchung von Krankheiten und der Auswahl neuer
therapeutischer Moleküle werden. Die Modelle sind billiger als Tierversuche
und liefern zuverlässigere Antworten. Schliesslich hat der Mensch
biologisch gar nicht so viel mit diesem blöden „Tiermodell“ gemeinsam.
Dank Alternativmethoden wird es möglich sein, die stumpfsinnigen
Praktiken der Tierversuche einst völlig abzuschaffen. |