April 2008

Lieber ein teures Placebo als ein billiges

Wie die Resultate einer recht überraschenden Studie zeigen, beruht die Wirksamkeit eines Medikaments nicht nur auf dessen chemischer Zusammensetzung.

Die im März 2008 im renommierten „Journal of American Medical Association“ veröffentlichte amerikanische Studie wurde an 82 Testpersonen durchgeführt. Dabei verstärkte sich die Wirkung eines Placebos, wenn die Testperson wusste, dass es sich um ein teures Mittel handelte.
Die Studie verlief wie folgt: Um die subjektive Schmerzempfindung zu messen, erhielt jeder der 82 Teilnehmenden einen leichten Elektroschock auf das Handgelenk. Die Testpersonen wurden vor und nach der Verabreichung eines Placebos erneut getestet.
Der Hälfte der Gruppe wurde mitgeteilt, beim verabreichten Placebo handle es sich um ein Schmerzmittel zum Preis von 2,5 Dollar. Der anderen Hälfte wurde suggeriert, das Placebo koste nur 10 Cents. 85% der Testpersonen, die das teure Placebo eingenommen hatten, berichteten von einem Rückgang ihrer Schmerzen. Bei den Testpersonen, die das billige Placebo eingenommen hatten, waren es noch 61%.
Der für die Studie verantwortliche Dan Ariely erklärte: „Die Ärzte wollen glauben, das Medikament und nicht die Begeisterung für eine Substanz sorge für den grössten therapeutischen Effekt. Nun ist aber die Macht der Interaktion zwischen Patienten und Ärzten ernsthaft in Frage zu stellen.“