Betrügerische
Publikationen
Um Geld zu
erhalten, müssen die
an den öffentlichen Einrichtungen
tätigen Forscher ihre Arbeiten regelmässig
in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlichen.
Ihre Karrieren hängen nämlich
insbesondere von der Zahl ihrer Publikationen – und
der Qualität der Zeitungen, in denen
sie ihre Artikel veröffentlichen – ab.
Wenn ein Wissenschaftler
viel veröffentlicht,
steigt sein Ruhm bei den Kollegen. Er
wird an einer Universität zum Professor
ernannt und in zahlreiche Stiftungsräte
berufen. In Universitätskreisen
wird er zum gefragten Star und sein Einkommen
steigt in beträchtlichem Ausmass.
Wissenschaftler, die nur wenig publizieren,
haben hingegen Mühe, ihre Forschung
finanzieren zu können. Sie verfügen über
immer weniger Assistenten, die sie bei
ihrer Arbeit unterstützen, werden
verachtet, wenden der Forschung den Rücken
zu oder lassen sich von anderen Wissenschaftlern
anstellen, die sie als Untergebene behandeln.
Diese Situation
ist weder schlechter noch besser als
diejenige, welche ein Teil der Bevölkerung in ihrem Berufsalltag
erlebt. Der Wettkampf um die Publikationen
und die ständige Rivalität
zwischen den Forscherteams haben aber
zur Folge, dass Wissenschaftler zu allem
bereit sind, damit ihre Forschung auch
weiterhin finanziert wird. Sie schrecken
nicht einmal davor zurück, Resultate
zu fälschen.
Missbräuche hat es seit jeher gegeben.
Seit rund zwanzig Jahren sind diese aber
an der Tagesordnung und bringen die gesamte
wissenschaftliche Gemeinschaft in Verruf.
Gefälschte
Studien auf allen Kontinenten
Am stärksten beachtet wurde in
den Medien der Fall des Koreaners Hwang
Woo-suk, der 2004 in der renommierten
Zeitschrift „Science“ einen
Artikel veröffentlichte. Darin behauptete
er, es sei ihm gelungen, einen menschlichen
Embryo zu klonen. Ein Jahr später
publizierte er einen weiteren Artikel.
Darin erklärte er, elf Stammzelllinien
produziert zu haben. In einer ersten
Phase wurde der Forscher im Kreise der
Wissenschaftler gefeiert. Schon bald
wurde der Betrug jedoch offenkundig.
Ende 2005 musste Woo-suk sein Fehlverhalten
eingestehen und von seinen Ämtern
zurücktreten. Zur gleichen Zeit
zeigte sich, dass auch der renommierte
japanische Biochemiker Kazunari Taira
der Universität Tokio nicht in der
Lage war, die Resultate seiner medizinischen
Forschung zu reproduzieren. Diese waren
im Februar 2003 von der renommierten
wissenschaftlichen Zeitschrift „Nature“,
der Konkurrentin von „Science“,
veröffentlicht worden. Nachdem der
Forscher sechs Jahre lang vom japanischen
Staat unterstützt worden war, verdächtigten
ihn die Behörden, seine Daten gefälscht
zu haben. 2006 bestätigten sich
die Befürchtungen.
In den Vereinigten
Staaten musste Dr. Eric Poehlman von
der Universität
Vermont 2005 vor einem Gericht erscheinen,
weil er betrügerische Aussagen gemacht
hatte, um vom Staat Subventionen zu erhalten.
Er gab zu, während über zehn
Jahren Studien zur Fettleibigkeit sowie
zur Menopause und zum Alter veröffentlicht
zu haben. Vor dem Prozess leitete Dr.
Poehlman ein Labor mit einem Dutzend
Forschern. Seine Arbeiten brachten ihm
allgemeine Anerkennung und zahlreiche
Einladungen an weltweite Konferenzen
ein. Er verdiente fast 140'000 Dollar
pro Jahr, was zu den höchsten Salären
seiner Universität gehörte.
Auch Europa
begnügte sich nicht
mit einem Schattendasein und verfügte über
betrügerische Wissenschaftler. Dies
insbesondere in Deutschland mit dem renommierten
Biologen und Krebsspezialisten Friedhelm
Herrmann, Leiter eines Departements an
der Universität Ulm, und seiner
Mitarbeiterin Marion Brach, Professorin
an der Universität Lübeck.
Die beiden wurden verdächtigt, ihre
Resultate gefälscht zu haben. Die
Experten, die mit der Untersuchung der
347 von Herrmann und Brach veröffentlichten
Artikel beauftragt waren, erlebten eine Überraschung
nach der andern. Sie mussten feststellen,
dass Resultate von Studien gar nie erzielt
worden waren und die gleiche Grafik mit
unterschiedlichen Legenden verwendet
wurde, um drei verschiedene Artikel zu
illustrieren. Nach zweijährigen
Nachforschungen stellte die Untersuchungskommission
im Juni 2000 fest, dass 94 Publikationen
gefälschte Resultate aufwiesen.
Dies war aber
noch lange nicht alles. In einer 2005
von der Zeitschrift „Nature“ veröffentlichten
Umfrage zeigte sich das wahre Ausmass
des Betruges. 1,7% der 3247 befragten
Forscher gab zu, ihre Kollegen plagiiert
zu haben, und 0,3% musste eingestehen,
sämtliche Daten der ersten drei
Jahre erfunden zu haben. Noch häufiger
waren „kleinere“ Fehler.
10-15% der Forscher gaben zu, Daten eliminiert
zu haben. 15,5% mussten sogar eingestehen,
ihr Versuchsprotokoll infolge des Drucks,
den die Finanzierungsquellen ausübten,
geändert zu haben. |