Juli 2008 - Pharmagruppe Sanofi-Aventis

Zu viele Informationen sind schlecht
für den Gewinn

In einem im März 2008 verbreiteten internen Dokument setzte sich die Pharmagruppe Sanofi-Aventis zum „Hauptziel“, „die grosse Presse zu neutralisieren“. Zu dieser wenig freundschaftlichen Absicht gelangte das Unternehmen nach der Veröffentlichung gewisser kritischer Artikel gegen das Medikament „Acomplia“.

Das Produkt von Sanofi dient dazu, das Übergewicht gewisser Diabetiker zu bekämpfen. Die erste Salve feuerte die Firma auf die mächtige amerikanische FDA (Food and Drug Administration) los. Diese hatte ein negatives Gutachten erlassen und war der Überzeugung, das Medikament könne schwere Depressionen auslösen und bei gewissen Patienten sogar zu Suizidversuchen führen. Da das Gutachten der FDA von einer anderen Studie bestätigt wurde, hat Sanofi auf dem amerikanischen Markt derzeit keine Chance. Dieser wird auf jährlich rund drei Milliarden Dollar geschätzt.

Zum eigentlichen Skandal für Sanofi kam es aber, es als die europäische Presse über die Probleme des Unternehmens in Amerika berichtete. Seither stagnieren die Verkäufe in Europa (zum Glück) und Sanofi erklärte wütend: Die Berichte in der Boulevardpresse (...) beunruhigen die Patienten und lösen bei den Fachleuten des Gesundheitswesens Zweifel aus.“ Um Ärzte und Patienten zu einem Umdenken gegenüber dem „Medikament“ zu bewegen, zieht Sanofi umfassende Aktionen in Betracht. So soll die „Diabetesgemeinschaft (Ärzte, Kranke und Angehörige) für eine Prestigekampagne mobilisiert werden.“ Sanofi möchte auch seine Ärztebesucher (vom Labor bezahlte Händler) briefen, damit diese die Ärzte überzeugen können, die Vorbehalte gegenüber dem Medikament haben.
Die durch die stagnierenden Verkäufe von Acomplia bedingten rückläufigen Einnahmen möchte Sanofi mit einer „längeren Behandlungsdauer“ kompensieren. Bezüglich der Verbreitung des internen Dokuments gibt sich das Pharamunternehmen in keiner Weise einsichtig. „Einige Ungeschicklichkeiten bei der Verfassung“ werden zwar zugestanden. Wirklich bedauert wird aber einzig die Tatsache, dass das Dokument öffentlich gemacht wurde. Auch hier machte sich die Presse zum Feind des Unternehmens.