Alternativen zu Tierversuchen

VirtualToxLab
oder wenn die Informatik Tierversuche auf vorteilhafte Weise ersetzt

Das Schweizer Forschungsinstitut Biographics Laboratory 3R mit Sitz in Basel hat die Software VirtualToxLab entwickelt. Dieses virtuelle In-silico-Labor ermöglicht es, innert wenigen Stunden und somit innert kürzester Zeit die Toxizität von pharmazeutischen Produkten, chemischen Komponenten und natürlichen Substanzen zu bestimmen. Es beruht auf der modellhaften Nachbildung von Interaktionen, die zwischen der Testsubstanz (z.B. ein Medikament) und einem Dutzend Proteine stattfinden, die sich in den Zellen des menschlichen Körpers befinden. Diese wirken sich auf den Organismus schädlich aus, wenn sie mit gewissen Substanzen in Berührung kommen. Eine starke Affinität des getesteten Moleküls für eines dieser Proteine deutet meist auf eine toxische Wirkung hin.

Bis anhin erfolgen die meisten Toxizitäts-Tests in vivo. Eine umfassendere Verwendung dieser Art von Instrument würde es somit erlauben, Tausenden von Tieren das Leben zu retten. Die Software kann zudem für die biomedizinische Forschung von grossem Nutzen sein. Jedes Jahr werden Tausende von Substanzen getestet, die für die Medikamentenforschung von potenziellem Interesse sind. Anfänglich viel versprechende Substanzen erweisen sich schlussendlich häufig als toxisch. In der Folge müssen die Forschungen unterbrochen werden. Die Verwendung einer Software wie VirtualToxLab würde es somit erlauben, die Moleküle noch vor ihrer Synthese im Labor zu testen und von Beginn weg diejenigen zu eliminieren, die ein toxisches Potenzial aufweisen.

Einen weiteren umfassenden Anwendungsbereich stellen die chemischen Produkte dar. Im Zusammenhang mit der europäischen Gesetzgebung REACH, im Rahmen derer die Toxizität von rund 30'000 chemischen Substanzen getestet werden soll, ist Prof. Angelo Vedani, Gründer des Biographics Laboratory 3R, der Ansicht, die entsprechenden Substanzen könnten mit VirtualToxLab getestet werden. Auf diese Weise liessen sich die toxischsten Komponenten in silico statt an lebendigen Tieren testen. Um dies zu ermöglichen, muss die Methode jedoch vorgängig anerkannt und von den Stellen validiert werden, welche für die Regelung zuständig sind.

Seit 2007 wird VirtualToxLab allen Organisationen zur Verfügung gestellt, die im wissenschaftlichen Bereich tätig sind. Gegen ein bescheidenes Entgelt ist das Modell via Internet für die Universitäten, nicht Gewinn orientierten Umweltverbände und Regierungsagenturen zugänglich. Gegen einen höheren Preis kann auch die Industrie davon profitieren.
Bis anhin wurden über 2'500 Produkte getestet. Sämtliche Resultate stehen auf der Website www.virtualtoxlab.org zur Verfügung.

Christel Forré

Artikel aus der Ausgabe 3/2009 der Zeitschrift ALTEX