Todesstoss für
den Stierkampf
Am 28. Juli 2010
schlug das katalanische Parlament eine
erste Bresche in die Praktik des Stierkampfes.
Mit 68 Ja-Stimmen (bei 55 Nein und 9 Enthaltungen)
nahmen die Abgeordneten den Gesetzesvorschlag
an, der auf ein Verbot der Corridas abzielte.
Vorausgegangen war dem Ganzen eine „Iniciativa Lexislativa
Popular“ (ILP), bei der in Katalonien
180'000 Unterschriften zusammenkamen. Die
Initianten forderten eine Revision des katalanischen
Tierschutzgesetzes. Mit Ausnahme der Stierrennen
untersagt dieses, bei öffentlichen Spektakeln
Tiere zu töten oder zu misshandeln.
Auf den Kanarischen
Inseln sind Stierkämpfe
bereits seit 1991 verboten. Der katalanische
Entscheid, der insbesondere die berühmte
Arena Monumental in Barcelona betrifft,
versetzt dieser schrecklichen Praktik einen
echten Schlag. Ab Januar 2012 wird jegliche
Corrida verboten. Die Stierkämpferkreise,
die nun eine „Ansteckung“ der übrigen
spanischen Regionen befürchten, stellen
den Entscheid als nationalistischen Akt hin.
Es handle sich um die Laune einer reichen
Region, die davon träume, vom übrigen
Spanien abgespalten zu werden.
Der katalanische Entscheid kommt zweifellos
einem Misstrauensvotum gleich. Wie zahlreiche
Umfragen nach der Abstimmung gezeigt haben,
ist die spanische Bevölkerung an Stierkämpfen
aber immer weniger interessiert. Zwar widersetzt
sich eine knappe Mehrheit der Spanierinnen
und Spanier immer noch einem totalen Verbot
von Stierkämpfen. Die Mehrheit von ihnen
interessiert sich aber überhaupt nicht
mehr für solche Spektakel.
Barcelona – „Antistierkampfstadt“
Das Verbot der Corrida in Katalonien ist auf
einen Prozess zurückzuführen, der
schon seit einigen Jahren im Gang ist. Im
April 2004 liess sich Barcelona zur „Antistierkampfstadt“ ausrufen. Mehrere
Dutzend katalanische Städte ziehen nach
und schliessen eine Arena nach der anderen.
Die Aktionen, welche die Tierschutzorganisationen
auf der Plaza Monumental in Barcelona gegen
die letzten Arenen veranstalten, die noch
Corridas durchführen, häufen sich.
Regelmässig finden Veranstaltungen und
Umzüge von Tierschützern statt,
die mit roter Bemalung darauf hinweisen,
wie barbarisch diese Spektakel sind. In regelmässigen
Abständen finden auch Aktionen statt,
um die Bevölkerung für die grausamen
Spektakel zu sensibilisieren. Von 900 grossen
Stierveranstaltungen, die in ganz Spanien
durchgeführt wurden, fanden 16 in Katalonien
statt.
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Weltweiter Botschafter
der Corridas
Bei seiner ersten spanischen Corrida wurde
der Mexikaner Arturo Macias am 13. März
dieses Jahres in Valencia am rechten Bein regelrecht
aufgespiesst. Einen Monat später fand
in Sevilla die zweite Corrida statt, bei der
er ein zweites Mal auf die Hörner genommen
wurde. Drei Tage vor der katalanischen Abstimmung
glänzte der Mexikaner erneut in den Arenen
und liess sich beim Todesstoss ein weiteres
Mal auf die Hörner nehmen. Obwohl der
Stier dieses Individuum loswerden konnte, das
ihn mit scharfen Stichen durchbohrte, wurde
er auf erbärmliche Weise abgeschlachtet.
Der Mexikaner hingegen wurde ins Spital gebracht.
Gemäss den offiziellen Verlautbarungen "ist
sein Leben nicht in Gefahr“. |