„Nein,
danke! Nicht auf meinem Teller.“
Eine Milliarde.
So viele Amphibien werden jedes Jahr
in ihrer natürlichen
Umgebung eingefangen, damit die Menschen
sie verzehren können. Frankreich
und die Vereinigten Staaten sind die
wichtigsten Importeure. Auf den Schweizer
Markt gelangen ebenfalls 8 bis 10 Millionen
Frösche, die aus Indonesien und
der Türkei stammen. Die grössten
Mengen werden in der Westschweiz verzehrt.
Ökologisches
Ungleichgewicht
Die in der Nacht eingefangenen Frösche
werden mit Netzen oder Haken gefangen
und zu Hunderten in Säcke gestopft.
Viele sterben während dem Transport.
Trotzdem haben sie mehr Glück als
ihre Artgenossen, die lebendig zerlegt
werden. Die beinlosen Rümpfe werden
in Behälter geworfen, in denen die
Tiere minutenlang mit dem Tod ringen.
90% der in die Schweiz importierten Froschschenkel
stammen aus Indonesien und werden tiefgekühlt
geliefert. Mit einer jährlichen
Produktion von 5'000 Tonnen stellt Indonesien
den weltweit wichtigsten Exporteur dar.
Die Entnahme einer so grossen Anzahl
Amphibien sorgt für ein ökologisches
Ungleichgewicht. Dagegen - und sei es
nur, um die Fänge einzuschränken – wird überhaupt
nichts unternommen. Die starke Vermehrung
von Insekten, die Krankheiten übertragen,
schadet der Gesundheit der Bevölkerung.
Zudem werden für die Kulturen immer
mehr Insektizide eingesetzt.
Aktionen gegen den Konsum von Froschschenkeln
Im November 2009 lancierte die Société vaudoise
pour la protection des animaux (SVPA)
eine Inseratekampagne in den Medien und
wandte sich damit gegen diesen Handel.
Am 11. Dezember reichte die Basler Nationalrätin
Maya Graf (Grüne) beim Parlament
eine Interpellation (09.4290) ein. Darin
erklärte sie: „Jedes Jahr
werden gemäss der Statistik der
Eidgenössischen Zollverwaltung etwa
150 Tonnen Froschschenkel in die Schweiz
importiert (…). Dies entspricht
7,5 bis 10 Millionen Tieren pro Jahr,
alleine für die Schweiz! Vom ganzen
Frosch werden nur die hinteren Schenkel
abgeschnitten und gegessen. Der Rest
(etwa 80 Prozent) ist Abfall. Für
eine kleine Speise müssen sechs
Tiere getötet werden.“ Anschliessend
stellte die Politikerin dem Bundesrat
folgende Fragen:
„Wie viele lebende Frösche für Speisezwecke werden aktuell
in die Schweiz importiert und hier geschlachtet? Ist ein Transport von lebenden
Fröschen allein für kulinarische Zwecke aus Sicht des Bundesrates
vertretbar?
Mit welchen Methoden werden Frösche
in den in- und ausländischen Schlachtbetrieben
betäubt und getötet?
Wie gross ist der Anteil der Zuchttiere
am Total der zu Speisezwecken in die
Schweiz importierten Frösche? Lassen
sich Frösche, welche zu Speisezwecken
geeignet sind, überhaupt in diesen
riesigen Mengen züchten? In welchen
Ländern sind diese Zuchtbetriebe,
und wie sind die Tierhaltebedingungen
dort? Wie und von wem werden diese Betriebe
kontrolliert?
Wie stellt sich der Bundesrat dazu, dass
für eine fragliche Delikatesse Millionen
von Tieren der freien Natur entnommen
und damit die schon bedrohten Amphibienpopulationen
zusätzlich gefährdet werden?
Welche Lösungsvorschläge sieht
der Bundesrat, damit die Einfuhr und
der Verzehr von Fröschen verringert
werden können?“
Am 3. Febuar 2010 antwortete der Bundesrat
wie folgt:
„Insgesamt werden jährlich etwa 450‘000 Frösche (vorwiegend
aus der Türkei) lebend in die Schweiz importiert und hier geschlachtet.
Froschschenkel sind Lebensmittel tierischer
Herkunft. Werden die gesetzlichen Vorgaben
eingehalten, ist der Transport von lebenden
Fröschen sowie allgemein von lebenden
Tieren zur Lebensmittelgewinnung vertretbar.
In der Schweiz werden die lebenden Frösche
in der Regel stark abgekühlt und
anschliessend enthauptet. Wie weitgehend
die Empfindungsfähigkeit der Frösche
durch das Abkühlen tatsächlich
ausgeschaltet wird, ist wissenschaftlich
noch nicht eingehend geklärt. Die
gleiche Methode wird auch von ausländischen
Schlachtbetrieben angewendet. Vereinzelt
wird die Enthauptung der Frösche
nach einer Elektrobehandlung durchgeführt.
Bei den importierten lebenden Fröschen
handelt es sich um Wildfänge. Ob
und in welchem Ausmass Frösche zur
Lebensmittelgewinnung gezüchtet
werden, ist nicht bekannt.
Der Konsum von Froschschenkeln liegt
in der Verantwortung der Konsumentinnen
und Konsumenten. Solange die Tierschutz-
und die Lebensmittelgesetzgebung eingehalten
werden, sieht der Bundesrat keinen Handlungsbedarf.“
Bezüglich der Informationen, die
Maya Graf erteilt wurden, weist die Koordinationsstelle
für Amphibien- und Reptilienschutz
in der Schweiz (KARCH) darauf hin, dass
beim Eidgenössischen Parlament lancierte
Aktionen gegen den Handel mit Froschschenkeln
immer auf starken Widerstand der Westschweizer
Politikerinnen und Politiker stiessen.
Der Bundesrat begründet sein fehlendes
Handeln auch damit, der Konsum von Froschschenkeln
liege in der Verantwortung der Konsumentinnen
und Konsumenten. Ein guter Grund somit,
um diese Petition zu unterzeichnen und
unterzeichnen zu lassen. Wir möchten
sie bei der Bundeskanzlei mit möglichst
vielen Unterschriften einreichen. Es
handelt sich nämlich nicht um die
Mehrheit der Westschweizer, sondern nur
um eine kleine Zahl von ihnen, die den
Konsum von Froschschenkeln befürwortet.
Da dieser Handel aber mit so viel Leiden
verbunden ist und für einen blossen
kulinarischen Genuss ein derartiges ökologisches
Ungleichgewicht entsteht, kann der Vertrieb
ohne Bedauern eingestellt werden.
Sylvie Benoît, welche die Petition
lanciert hat, erklärt, wie es zur
dieser Aktion kam:
„Die Idee, diese Petition zu lancieren,
kam auf, nachdem das Neuenburger Lokalfernsehen
Anfang April eine Sendung über den
Import und Handel von Froschschenkeln
ausgestrahlt hatte. Zu sehen waren insbesondere
lebendig importierte, verpackte und in
einer Fischzucht in Le Locle geschlachtete
Frösche. Ich erhielt viele Anrufe
von Leuten, die entrüstet forderten,
die Liga müsse etwas gegen diesen
Handel unternehmen. Daraufhin wandte
ich mich an das Neuenburger Veterinäramt.
Dieses bestätigte mir, der Import
und das Schlachten der Tiere sei in der
Schweiz völlig legal.
Als ich meine Nachforschungen fortsetzte,
erkundigte ich mich nach den importierten
Mengen. Ich konnte es kaum glauben, als
von „Tonnen“ die Rede war.
Schliesslich sind für eine Tonne
unglaublich viele Froschschenkel erforderlich.
Als ich die Menge der importierten Schenkel
erfuhr, war ich wie betäubt. 150
Tonnen alleine in der Schweiz – dies
entspricht einer Million Frösche.
Fragen Sie einmal die Leute um sich herum – niemand
kann sich eine solche Anzahl Tiere oder
das ökologische Desaster vorstellen,
das mit dem Fang all dieser Amphibien
verbunden ist. Dessen sind sich wahrscheinlich
nicht einmal die Liebhaber von Froschschenkeln
bewusst. Angesichts der Tatsache, dass
das Einfangen von Fröschen in unserem
Land verboten ist, ist es äusserst
scheinheilig, diese Art von Handel aus
blossem „kulinarischem Vergnügen“ zu
tolerieren.
Die Ernährung stellt einen wichtigen
Aspekt der Zivilisation und – wie
ich gerne glauben möchte – der
Entwicklung dar. Durch die Wahl, die
wir treffen, können wir den Handel
beeinflussen. Das Problem der Frösche
betrifft uns alle, da es sich um eine
weltweite Problematik handelt. Durch
unser Essverhalten bringen wir Tiere
um, die für ihre Umwelt nützlich
sind. Durch unsere Ignoranz setzen wir
schädliche Ernährungstraditionen
fort. Wenn die Liebhaber von Froschschenkeln
das Leiden dieser Amphibien und ihr Einfangen
beobachten könnten, bis sie auf
unserem Teller landen, würden die
meisten künftig wohl auf den Konsum
verzichten. Dies stellt einen der Gründe
dar, warum wir die Petition lanciert
haben.“
Download
Petition
Laufzeit der Petition : 15. Februar
2012.
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