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Interpharma
gut versteckt
Am Montag,
den 29. November, sowie am Morgen
des 30. Novembers 2010 wird in Basel
ein Kongress mit dem Titel „Verdammte
Forschung?“ stattfinden. Bei
dieser Gelegenheit werden 80 Wissenschaftler/innen
aus der Schweiz, Frankreich, England
und Deutschland sowie Betreiber/innen
von Tierversuchen anreisen, um sich
für ihre Forschung stark zu machen.
Zu den Vorträgen eingeladen sind
Politiker/innen der Kantone und des
Parlaments sowie die kantonalen Behörden,
die mit den Tierversuchen beauftragt
sind. All diese Personen haben ein
persönliches Schreiben erhalten,
das ankündigte: „Die
Forscherinnen und Forscher sind heutzutage
darüber beunruhigt, dass in der
Politik sowohl auf nationaler als auch
europäischer Ebene die Bedingungen
für Tierversuche laufend verschärft
werden. Während die neuen gesetzlichen
Bestimmungen einerseits das Wohlbefinden
der Tiere und ihre guten Zuchtbedingungen
verbessern, tragen sie andererseits
stark zu Regeln bei, welche die Forschung
enorm behindern, ohne das Wohlbefinden
der Labortiere signifikant in eine
andere Richtung zu lenken.“ (sic!)
Am Dienstag, den 30. November 2010,
sind die gleichen Gäste anlässlich
der Wintersession des Parlaments (29.
November – 17. Dezember 2010)
von 18 – 19.30 Uhr in Bern zu
einem Treffen eingeladen, bei dem „im
Laufe dieses interessanten Dialogs
ein Apéro serviert wird“.
„Ehrwürdige“ Organisationen
Der Kongress wird vom Verein „Forschung
für Leben“ veranstaltet.
Dieser „parteipolitisch
und konfessionell unabhängige
Verein“ verfolgt
folgende Ziele: „Wir informieren
die Bevölkerung über die
Ziele, die Bedeutung und die neuesten
Ergebnisse der biologisch-medizinischen
Forschung. Wir fördern den Dialog
zwischen Wissenschaftlern und wissenschaftlichen
Laien. Wir bringen den Nutzen,
aber auch die Gefahren der
Forschung einfach und klar zur Sprache.
Wir schaffen Grundlagen zur ethischen
Bewältigung des
biologisch-medizinischen Fortschritts.“
Der Verein betont die wissenschaftliche
Vielfalt seiner Mitglieder, von denen
die meisten an unseren Hochschulen
tätig sind. Das Präsidium
hat Dr. Michael Hengartner vom Institut
für Molekularbiologie der Universität
Zürich, Vizepräsident ist
Prof. Rolf Zeller vom Departement Biomedizin
der Universität Basel.
Hinter dem
glatten und neutralen Image des Vereins „Forschung für
Leben“ verbirgt sich eine Propagandaorganisation,
deren Aktivitäten von den Pharmaunternehmen
Novartis, Roche, Merck Serono und Actelion
finanziert werden. Diese stecken hinter
der Bezeichnung „Interpharma“.
Seit mehreren Jahren verfolgt Interpharma
die Strategie, nicht direkt in die
Gespräche über Tierversuche
einzugreifen. In einer derart sensiblen
Debatte bewirkt das schlechte Image
dieser Unternehmen, die regelmässig
beschuldigt werden, nur ihre persönlichen
Interessen zu verfolgen, um riesige
Gewinne einzuheimsen (15 Milliarden
für Roche und 10,8 Milliarden
für Novartis im Jahr 2009), dass
die Glaubwürdigkeit der Vereinigung
in Frage gestellt werden könnte.
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Deshalb
unterwandert Interpharma die Debatte
im Hintergrund mit dem Scheckheft
und seinen Vertretern, die geschickt
von „edlen“ Wissenschaftler/innen
aus Universitätskreisen umgeben
sind. Der Einsatz dieser Forschenden
(oftmals dieselben!), die sich in
den Medien zu Wort melden oder als
Lobbyisten für Tierversuche
tätig sind, ist nicht allzu
edel. Auf den bestehenden Interessenkonflikt
weisen die Medien selten hin. Oft
wird die Lage so dargestellt, als
würden die Wissenschaftler/innen
aus Überzeugung handeln und
sich für eine Forschung einsetzen,
die im Sinne des öffentlichen
Gesundheitswesens ist. In Tat und
Wahrheit stellt die Forschung an
Tieren aber vor allem das tägliche
Brot dieser Akademiker/innen dar.
Ohne Tierversuche würden sie
keinen Lohn mehr erhalten.
Interpharma
finanziert auch die Tätigkeiten der Stiftung GEN
SUISSE. Ihr Vorstand setzt sich zusammen
aus Bundesparlamentariern und Wissenschaftler/innen
die hauptsächlich an den Universitäten
Zürich und Basel, Bern, Lausanne
und Genf tätig sind.
Die derzeitige Vizepräsidentin
der Stiftung, die Aargauer Ständerätin
Christine Egerszegi-Obrist, unterwandert
auch die Stiftung Forschung 3R. Diese
unterstützt als einzige Schweizer
Organisation Alternativmethoden (ohne
Tierversuche). Der Bund, der von
Gesetzes wegen verpflichtet ist,
die Entwicklung solcher Methoden
zu unterstützen, beteiligt sich
jedes Jahr mit CHF 400'000.-. Interpharma
wendet einen ähnlich hohen Betrag
auf. Prof. Peter Maier ist der Präsident
des wissenschaftlichen Komitees der
Stiftung Forschung 3R. Er nimmt hauptsächlich
Projekte entgegen, die mit Unterstützungsanträgen
eingesandt werden, und evaluiert
sie. Dabei lehnt er die meisten Gesuche
ab. Während 2009 drei neue Projekte
unterstützt wurden, wurden deren
18 abgelehnt. Peter Maier wird als „Dr.
sc. nat. ETH“ bezeichnet, obwohl
er bei Novartis angestellt ist.
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Im
Hintergrund bekämpft Interpharma
die Bestimmungen, die das Schicksal
der Tiere verbessern sollen. Gleichzeitig
bemüht sich die Organisation,
in der Öffentlichkeit ein ethischeres
Image zu verbreiten. So erklärte
sie beispielsweise in ihrer Tierschutzcharta, die
sie im Juni 2010 in den Medien verbreitete,
sie setze sich dafür ein, „unseren
Labortieren qualitativ hochwertige
Unterbringungsbedingungen zu gewährleisten
und uns zu bemühen, diese Bedingungen
laufend zu verbessern; unsere externen
Partner zu verpflichten, diese hohen
Standards des Wohlbefindens der Tiere
einzuhalten, wenn diese auf unsere
Rechnung Studien vornehmen (...)“. |
Die Tätigkeit der Stiftung
Forschung 3R ist ebenso lächerlich
wie ihr jährliches Budget in
der Höhe von CHF 800'000.-.
Während ihres zwanzigjährigen
Bestehens unterstützte sie im
Schnitt jährlich fünf Projekte.
Zum Vergleich: Im Jahr 2009 wurden
in der Schweiz 1'051 neue Tierversuche
bewilligt ! Unter dem Vorwand der
ehrwürdigen Stiftung Forschung
3R betreibt Christine Egerszegi-Obrist
mit GEN SUISSE beim eidgenössischen
Parlament zudem Lobbying für
Tierversuche. Dabei werden beispielsweise
Vorträge gehalten, um Tierversuche
an Primaten zu unterstützen.
Angesichts dieser Situation ist es
recht einleuchtend, warum in der Schweiz
bezüglich Alternativmethoden keine
grossen Fortschritte erzielt werden.
Tierversuche und die damit verbundenen
attraktiven Einkommen haben noch viele
schöne Tage vor sich.
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„Forschung
für
Leben“ fasst in der Westschweiz
Fuss
Auf
seiner Website kündigt
der Verein die Bildung einer Arbeitsgruppe „Forschung
für Leben, Region Westschweiz“ an.
Diese verfolgt das Ziel, „die
Bevölkerung über die
Ziele, Aufgaben und Resultate sowie
die Bedeutung der Forschung in
der Biologie und Medizin zu informieren.
Sie möchte sich auch an Diskussionen
zu ethischen Fragen beteiligen,
die sich im Zusammenhang mit Fortschritten
dieser Forschung ergeben“.
Die Splittergruppe führen
vier Wissenschaftler an. Dazu gehört
Marcel Gyger, ehemaliger Forscher
bei Nestlé und derzeit an
der EPFL mit Tierversuchen beauftragt.
Er wird als Mitarbeiter des Waadtländer
Veterinäramtes (und somit
der Behörde, die Tierversuche
bewilligt) vorgestellt. Dazu kommen
drei Kameraden des Physiologischen
Institutes der Universität
Freiburg mit Eric Rouiller an der
Spitze. Gegen sie richtete sich
letztes Jahr unsere Petition, die
wir gegen Affenversuche an dieser
Universität lancierten.
Die Petition, die wir mit der ATRA
und der AGSTG im Rahmen unserer
Veranstaltung „Zusammen gegen
Tierversuche“ vom 19. September
2009 in Freiburg lancierten, wurde
mit fast 20'000 Unterschriften
innert drei Monaten bei der Kanzlei
dieses Kantons eingereicht. Sie
hatte im Grossen Rat ein Postulat
zur Folge, das sich mit Tierversuchen
und der Verwendung von Affen in
der Forschung befasst.
In
ihrem Jahresbericht 2009 prangern die
führenden Köpfe von „Forschung
für Leben“ die „oft
kriminellen Machenschaften von
fundamentalistischen Tierschutzkreisen“ an.
Schliesslich beweihräuchern
sie sich selber wegen ihrer tollen
Feldanalyse:
„Dank der Beobachtung
der Szene der Tierversuchsgegner
wird die Geschäftsstelle
im Mai auf die „Schweizerische
Liga gegen Vivisektion“ aufmerksam,
die auf den 19. September 2009
in Freiburg eine Kundgebung gegen
die Affenversuche von Prof. Eric
Rouiller (Universität Freiburg)
plant und für eine Petition „Stoppt
die Affenversuche“ Unterschriften
sammelt. Prof. Rouiller und die
Universität Freiburg werden
von der Liga frontal angegriffen
und verunglimpft. FfL nimmt Kontakt
mit Prof. Rouiller auf und erkundigt
sich, ob er Unterstützung
braucht. In der Folge erarbeitet
die Arbeitsgruppe „Tierversuche“ eine
Strategie, wie mit den Aktivitäten
der „Liga gegen Vivisektion“ umgegangen
werden soll. Die Universität
Freiburg beschliesst, unseren
Input aufzunehmen. Auf den 19.
September organisieren die Uni
Freiburg und FfL zusammen eine
Tagung zum Thema und stellen
eine Dokumentation für die
Medien zusammen. Aus unserem
Kreis referiert Prof. Rolf Zeller
von der Universität Basel.“
Im Bericht werden auch Artikel
mit vielsagenden Titeln aufgelistet,
die in den verschiedenen Zeitungen
erschienen. So heisst es beispielsweise „Versuchstiere
retten Leben – meist unbemerkt
und jeden Tag“ (Die
Weltwoche) oder „Warum
wir Tierversuche brauchen“ (Tages-Anzeiger).
Da haben sie sich aber etwas vorgenommen... |
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Die
Forschenden möchten
keine Fotos, welche die Leiden von
Tieren zeigen. In seinem Jahresbericht
erklärte der Verein „Forschung
für Leben“, beim Gratisanzeiger „20
Minuten“ wegen eines Bildes
interveniert zu haben, „welches
einen Rhesus-Affen mit
einer im Kopf festgeschraubten
Metallkrone zeigt. Sie (Anm. d.
Red: die Geschäftsstelle)
vermittelt ein Interview (...)
und erreicht, dass keine «Skandal»-Fotos
mehr gebraucht werden.“ |
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