Juli 2010

Voll gestopft mit Pestiziden

Einmal mehr haben Analysen der Kantonschemiker ergeben, dass die meisten getesteten Produkte zu hohe Pestizidwerte aufweisen. Die Erzeugnisse stammten grösstenteils aus den grossen Gemüseplantagen Südeuropas. Das Gesetz schreibt zwar für jedes Pestizid einen Höchstwert vor. Es lässt aber Produkte zu, die mehrere Pestizide aufweisen. In einer einzigen Gemüsesorte oder einer Zitrusfrucht können bis zu acht verschiedene Pestizide vorkommen. Somit stellt sich die Frage, wie es die Produzenten überhaupt schaffen, die vorgeschriebenen Normen zu überschreiten. Wollen sie allenfalls neue mutierte Gemüsesorten kreieren? Fraglich ist auch, wie sie uns trotz dieser Anhäufung chemischer Substanzen immer noch dazu bringen, ihr Gemüse zu essen. Dabei publizieren die Kantonschemiker auf ihrer Website seit Jahren die Resultate von Analysen, die an Lebensmitteln vorgenommen wurden. Diese regen einem dazu an, ernsthaft über den Verzehr solcher Nahrungsmittel nachzudenken.

Fachleute einer Meinung
Trotz der hohen Pestizidwerte wird kein Produkt für die Gesundheit als „gefährlich“ erachtet. Die Fachleute stellen vielmehr beruhigend fest: „Man müsste drei Kilo Salat pro Tag essen.“ oder „Schädlich wären erst fünf Kilo Peperoni.“ Dabei vergessen sie aber – möglicherweise absichtlich – dass die Menge der aufgenommenen chemischen Substanzen nicht von einem Produkt, sondern von einer ganzen Menge stammt. Es geht also nicht darum, dass „drei Kilo Salat pro Tag“ unserer Gesundheit schaden würden. Zum Obst am Morgen kommen das Müesli, der Fruchtsaft und die Nahrungsmittel, die wir den ganzen Tag über und am Abend verzehren. Sie alle beinhalten hohe Dosen an Pestiziden, Fungiziden und Herbiziden, die allesamt unsere Gesundheit gefährden.

Leichter Optimismus angesagt
Zumindest etwas Erfreuliches lässt sich den Testresultaten allerdings entnehmen. Unter dem Biolabel vertriebene Produkte sind tatsächlich frei von chemischen Stoffen. Wer bewusst einkauft, schont also nicht nur die Erde, sondern auch seinen eigenen Organismus. Angesichts der ständig zunehmenden Krebsfälle in den letzten Jahren ist diese Tatsache nicht zu vernachlässigen.
Anlass zur Freude bietet auch die im Rahmen der Tests festgestellte (recht) „gute Qualität“ von Schweizer Produkten aus dem „herkömmlichen“ Anbau (mit chemischen Produkten, aber in beschränkten Mengen). Dies wiederum wirft einige Fragen zur Landwirtschaftspolitik des Bundesrates auf. Mit Handelsabkommen und anderen wirtschaftlichen Einschränkungen wird langfristig die Aufhebung einheimischer Kulturen angestrebt. Diese sind nicht wettbewerbsfähig. Im Rahmen der Revision der Tierschutzverordnung waren vom Volkswirtschaftsdepartement diesbezüglich klare Töne zu vernehmen. Auf die Frage, warum den Rinderzüchtern für die Aufhebung der elektrischen Jochs (1) in den Ställen eine 20-jährige Übergangszeit gewährt werde, liess man verlauten: „Ganz einfach, angesichts der Tatsache, dass jährlich 3% aller Landwirtschaftsbetriebe ihre Arbeit auf „natürliche“ Weise einstellen, werden in zwanzig Jahren keine Kühe mehr in dieser Form gehalten.“

Bevor es zu spät ist
Trotz dem Zynismus unserer Behörden tun wir (Konsumentinnen und Konsumenten) gut daran, über den Erhalt unserer „Ernährungssouveranität“ nachzudenken. Es wäre traurig, wenn wir uns eines Tages nur noch von Salaten und anderen landwirtschaftlichen Produkten ernähren könnten, die Unmengen chemischer Substanzen aufweisen. Dies aus dem alleinigen Grund, dass die graue Materie für die öffentlichen Finanzen viel lohnenswerter ist als die Landwirtschaft. Hormonfleisch und gentechnisch veränderte Organismen klopfen schon jetzt an unsere Türen und die von uns unterzeichneten Handelsabkommen werden uns schliesslich veranlassen, diese zu öffnen. Ohne eigene Landwirtschaft und Tiere aus kontrollierter Haltung werden wir essen müssen, was uns vorgesetzt wird. Bezahlen werden wir mit unserer eigenen Gesundheit.
Die Pharmaunternehmen stehen schon in den Startlöchern und reiben sich die Hände.

(1)  Mit einem elektrischen Joch werden die angebundenen Rinder daran gehindert, sich bewegen zu können. Elektroschocks sorgen dafür, dass diese ihre Schlafstätte nicht mit Kot verunreinigen. Kaum zu glauben – in den Betrieben mit dem Label „Bio Suisse“ wurde dieses Verfahren erst 2002 verboten.