15. April 2010

Ein Yoghurt bleibt ein Yoghurt

Die Firma Danone zieht ihr Gesuch zur Validierung ihrer Produkte Actimel und Activia zurück, nachdem die European Food Savety Authority (EFSA) verlauten liess, der therapeutische Wert dieser Produkte sei in keiner Weise wissenschaftlich bewiesen.
Für Danone stellt dies eine Niederlage dar. Das Unternehmen wird sich bei seinen Werbekampagnen künftig nicht mehr auf die gesundheitlichen Vorzüge der beiden Produkte berufen können. Diese machen über 10% des Umsatzes aus. Als Hauptkonkurrent von Danone ist auch Nestlé seit rund fünfzehn Jahren im Ernährungsbereich tätig. Mit 3'500 Angestellten im Rahmen des Netzwerks „Entwicklung und Produktetests“, die auf 17 Standorte verteilt sind, stellt sein in der Westschweiz basiertes Forschungszentrum seinen wichtigsten wissenschaftlichen Pool dar. Von der Werbung angeregt, welche die Pharmaunternehmen im Rahmen ihrer Forschungen betreiben, stellt das Unternehmen seine Zentren als „stete Quelle neuer Ideen und wissenschaftlicher Erkenntnisse“ dar, welche „die Pipeline der Nestlé-Produkte nähren“.
Um die Pipeline guter Ideen nähren beziehungsweise den Umsatz steigern zu können, fallen Tausende von Tieren Tierversuchen zum Opfer. Schuld daran sind Milchprodukte jeglicher Verwendungsart, von denen eine überflüssiger ist als die andere. Auch die Presse berichtet über tolle Entdeckungen und beweist damit einen wenig kritischen Geist. Sie ist vielmehr der Ansicht, solche Produkte könnten zu neuen Therapien führen. Dies zeigt beispielsweise der im Jahr 2008 veröffentlichte Artikel mit dem Titel „Die Bakterien, wertvolle Zutaten unserer Ernährung“.
„Die Probiotika, diese Nahrungsmittel, die lebende Bakterien enthalten, sollen eine wohltuende Wirkung haben. Dies hat eine an Mäusen durchgeführte Studie bewiesen.
Ein aus Forschern aus London und der Firma Nestlé (Nestlé Research Center, Lausanne) bestehendes Team befasst sich seit einiger Zeit ausführlich mit der Frage. 2006 hatten die Wissenschaftler die Bakterienflora des Mäusedarms durch Mikroorganismen von Menschen ersetzt. Die recht verheerende Wirkung hatte den Stoffwechsel der armen Mäuse weitenteils in Mitleidenschaft gezogen. Dieses Jahr wiederholte das Team den Versuch und fügte der Nahrungsmittelration der Mäuse eine der im menschlichen Darm vorhandenen Bakterien bei. Gemäss den in der Zeitschrift Molecular Systems Biology veröffentlichten Resultate sind die Auswirkungen diesmal recht positiv. Nach einer zweiwöchigen Behandlung analysierten die Forscher eine Reihe von Stoffwechselmarkern in Exkrementen, Urin, Blut und Leber. Die Wissenschaftler hoffen, dass ihre Studie zu neuen Therapien führt, bei denen Probiotika verwendet werden.“

Zwei Jahre später haben diese unnötigen Versuche mit Mäusen zu keiner neuen Therapie geführt. Dies hindert Nestlé aber nicht daran, zahlreiche Versuche fortzuführen. Einige davon werden mit öffentlichen Geldern der EU finanziert.