Alternativen
zu Tierversuchen
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Ein auf menschlichem Blut
basierender Test, um das Vorhandensein
pyrogener Substanzen zu eruieren
Pyrogene sind
Substanzen mikrobischen Ursprungs,
die Fieber auslösen.
Sie stammen von lebenden oder toten Bakterien,
Viren oder Pilzen und können somit
sogar in einem sterilen Umfeld auftreten.
Eine Verunreinigung von Lösungen
oder parenteralem Material(1) durch
solche Substanzen kann beim Patienten
Entzündungen, die zu einem Anstieg
der Körpertemperatur führen,
oder schwerwiegendere Reaktionen (einen
Schock, eine disseminierte intravaskuläre
Gerinnung – diese entspricht einer „verstreuten
Blutgerinnung innerhalb der Blutgefässe“ – oder
eine unzureichende Organfunktion) auslösen
und in Extremfällen sogar zum Tod
führen. Die Hersteller von Lösungen
und parenteralem Material sind deshalb
verpflichtet, Kontrollen durchzuführen,
bevor sie einen Posten freigeben.
Im Jahr 1940
wurde eine Pyrogentest genannte Methode
entwickelt, die immer noch angewandt
wird. Das Verfahren besteht darin,
die Testsubstanz einem Kaninchen zu
verabreichen und die Entwicklung seiner
Körpertemperatur zu messen. Nebst
der Tatsache, dass diese Methode eine
grosse Anzahl Tiere erfordert, weist
sie verschiedene Schwächen auf,
welche die Qualität der erhaltenen
Resultate negativ beeinflussen. |
Die
strenge Haltung des Kaninchens und
das Injektionsverfahren können eine Hyperthermie (Anstieg
der Körpertemperatur) auslösen,
die auf Stress zurückzuführen
ist, und so positiv verfälschte
Resultate bewirken. Ruhigstellung und
mangelnde Bewegung können hingegen
zu einer Hypothermie (Rückgang der
Körpertemperatur) und infolgedessen
zu negativ verfälschten Resultaten
führen.
Zur
Analyse der Pyrogene dient ein zweiter
1964 entwickelter Test, der als Limulus-Amoebozyten-Test
(LAL) bezeichnet wird. Dieser beruht
auf der Verwendung von Hämolymphen(2) des Pfeilschwanzkrebses (Limulus polyphemus).
Um die für diese Methode
erforderliche Hämolymphe zu extrahieren,
werden die Krebse an Stränden gesammelt.
Ihre Hämolymphe wird punktiert und
die Tiere werden ins Meer zurückgeworfen.
Zehn bis zwanzig Prozent überleben
die Prozedur nicht. Der LAL-Test ermöglicht
es auch nur, eine gewisse Kategorie von
Pyrogenen zu ermitteln, so dass sein
Anwendungsbereich sehr eingeschränkt
ist.
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Laut
den Schätzungen wurden vor der Validierung
von Zelltests durch das ECVAM und das
ICCVAM jedes Jahr 500'000 Kaninchen verwendet.
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Um
ein System zu entwickeln, das zuverlässige
Resultate liefert, sich für jegliche
Arten von Testmaterial eignet (Flüssigkeiten:
Impfstoff, injizierbare Proteine, Dialyseflüssigkeiten;
medizinisches Material: Bluttaschen,
Injektionsspritzen, chirurgische Handschuhe;
Luft usw.) und es ermöglicht,
pyrogene Tests und den LAL zu ersetzen,
entwickelten die Forscher, ein spezielles
Verfahren. Dieses beruht auf der Verwendung
von menschlichem Blut und dem Kontakt
mit der Substanz, die es zu kontrollieren
gilt. Wenn Pyrogene vorhanden sind,
produzieren die Monozyten(3) des
Blutes so genannte Zytokine(4), die
dosiert werden können. Auf diese
Weise ist es möglich, die Menge
der Pryogene zu ermitteln, die in der
Testsubstanz vorhanden sind. Dank der
Methode lassen sich die Pyrogene auf
zuverlässigere
und besser reproduzierbare Weise ermitteln
als bei Tierversuchen. Die Methode
wurde 2006 vom European Centre for
the Validation of Alternative Methods
(ECVAM) und 2008 von seinem amerikanischen
Pendant – dem ICCVAM – validiert.
Im März 2009 wurde sie von der
Europäischen Pharmakopöe(5) und im April 2009 von der Food
and Drug Administration (FDA) bewilligt.
Sie eignet sich somit bestens, um den
Pyrogentest an Kaninchen sowie den
LAL-Test zu ersetzen.
Christel
Forré
Artikel aus der Ausgabe Nr. 26, 4/2009,
S. 265-277 der Zeitschrift ALTEX
(1) Parenterales
Material: Material, das auf einem
anderen Weg als dem Verdauungstrakt
in den Organismus eingeführt wird.
Dies kann auf intravenösem, intramuskulärem
oder subkutanem Weg erfolgen.
(2) Hämolymphe: Körperflüssigkeit
der Arthropoden (Insekten, Spinnen,
Krustetiere), die dem Blut entspricht
(3) Monozyten: grosse weisse Blutkörperchen,
die zu Makrophagen werden können.
Diese haben die Funktion, Fremdkörper
im Organismus zu beseitigen.
(4) Zytokyne: von gewissen Zellen im
Immunsystem produzierte Substanz, die
auf andere Zellen des gleichen Systems
wirkt, um deren Aktivität und
Funktion zu regulieren
(5) Pharmakopöe: offizielle nationale Sammlung von Medikamenten,
die über deren Herstellung, Zusammensetzung und Wirkung informiert. Die
Europäische Pharmakopöe stellt eine Einrichtung des Europarates dar.
Sie verfolgt das Ziel, die nationalen Gesetzgebungen zur Herstellung und Verbreitung
sowie zum Vertrieb von Medikamenten in Europa zu vereinheitlichen.
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