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Überblick über die Geschichte der europäischen Kosmetikrichtlinie

Am 24. März 2005 lehnte der Europäische Gerichtshof in Luxemburg Frankreichs Antrag ab, die Europäische Kosmetikrichtlinie aufzuheben. Er bestätigte damit die Umsetzung des Programms, das die Einstellung von Tierversuchen für Kosmetikprodukte in der gesamten Europäischen Union anstrebt.

Aufhebung von Tierversuchen für Kosmetikprodukte in Europa:
ein langer und mühsamer Weg

Nach über fünfzehn Jahre dauernden Diskussionen und Verhandlungen legte die erste europäische Richtlinie, die am 14. Juni 1993 verabschiedet wurde, das Verbot der Tierversuche für Kosmetik auf Januar 1998 fest. Da diese aus „technischen Gründen“ rückgängig gemacht wurde, wurde im Jahr 1997 eine zweite Richtlinie vorgelegt, welche ebenfalls abgelehnt wurde. Auch ein dritter Vorstoss, der das Verbot solcher Tierversuche auf den 30. Juni 2002 festlegte, hatte keinen Erfolg.
Schliesslich fordert die neueste Richtlinie vom 27. Februar 2003 (2003/15/CE die inzwischen in allen Ländern zum Gesetz wurde) eine letzte Fristenverlängerung für das Aus der Tierversuche für Endprodukte ab 2004 und für deren Inhaltsstoffe ab 2009, mit wenigen Ausnahmen für welche eine weitere dreijährige Frist gewährt wurde.

Frankreich für Beibehaltung der Tierversuche

Frankreich hatte, nachdem es als einziges Land im Januar 2003 gegen die neue Richtlinie stimmte, am Europäischen Gerichtshof in Luxemburg ein Gesuch für die Aufhebung des Verbotes eingereicht, mit der Begründung, diese sei aus gesetzlichen und technischen Gründen nicht umsetzbar.
Durch das Kabinett des Industrieministeriums liess die französische Regierung verlauten: „Frankreich hat den Text der Richtlinie 2003/15/CE nicht verstanden und verlangt vom Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften in Luxemburg dass man ihn erklärt.“

Die Kosmetikindustrie verfügt in Frankreich über eine besonders starke Lobby. Die Regierung, die erklärte, "natürlich mit der Industrie diskutiert zu haben" wurde angeklagt, die Interessen von L'Oréal und LVMH zu schützen, da sie behauptete, die neue Richtlinie würde die kosmetische Innovation stoppen und konkurrierende Verwirrungen schaffen die unvermeidliche Auswirkungen bezüglich Investitionen, Verlust der Wettbewerbsfähigkeit, aber auch von Arbeitsplätzen“ hätte.
Aus den Gerichtsunterlagen, welche sich die britische Zeitung The Guardian beschaffen konnte, war zu entnehmen, dass Frankreich das Verbot als zu hart empfand. Es schade den europäischen Handelsinteressen und stehe im Widerspruch zur Reglementierung des internationalen Handels.
Sie behauptete ferner, dass sich für das Wohl der Tiere nur eine „äusserst geringe“ Verbesserung ergeben würde und „dass es wahrscheinlich sei, dass dies zum Umlauf von Produkten führen dürfte, welche für die menschliche Gesundheit mit beträchtlichen Risiken verbunden sind.“

In Europa umfasste der Kosmetiksektor im Jahr 2004 rund zweitausend Unternehmen, die einen Umsatz von 190 Milliarden Euro erzielten und 500'000 Arbeitnehmende beschäftigten. Die französische Regierung stellte sich nicht als einzige gegen diese Richtlinie. Auch die European Federation for Cosmetic Ingredients, die in der Schweiz, Belgien, Frankreich, Deutschland und Italien siebzig Unternehmen vertritt welche Inhaltsstoffe für Kosmetika herstellen, lancierte eine Aktion gegen diese Richtlinie. Sie wandte sich damit an das Tribunal de Première Instance (TPI). Ihre Aktion wurde im Dezember 2004 als unzulässig beurteilt.

L’Oréal und LVMH, florierende multinationale Gesellschaften 

Als eine der wenigen in Europa verfügt die französische Kosmetikindustrie über ein Tierversuchsprogramm. Gewisse Unternehmen wie beispielsweise L’Oréal sind mit Millionen von Euro an der französischen Wirtschaft beteiligt. Somit ist es nicht weiter erstaunlich, dass die französische Regierung mit allen Mitteln versucht, diesen äusserst rentablen Markt zu schützen. Schliesslich steigt der Umsatz von L’Oréal seit 20 Jahren unaufhaltsam und betrug im Jahr 2009 rund 17 Milliarden Euro. LVMH ihrerseits konnte im gleichen Jahr einen Nettogewinn von über einer Milliarde Euro ausweisen.


Überblick über die Geschichte der europäischen Kosmetikrichtlinie

1976 : Verabschiedung der Richtlinie 76/768/EWG, die als „Kosmetikrichtlinie“ bezeichnet wird. Dies ist ein erster Versuch, die Gesetzgebung der Mitgliederstaaten zur Kosmetik aufeinander abzustimmen.

1993 : Die Richtlinie 93/35/EWG stellt eine grundlegende Änderung der Kosmetikrichtlinie dar. Sie besagt, dass ab dem 1. Januar 1998 keine Bestandteile oder Kombinationen von Bestandteilen mehr auf dem Markt zulässig sind, die mittels Tierversuchen getestet wurden.

1996 : In einem Bericht wird vorgeschlagen, das Verbot von Tierversuchen hinauszuschieben, da es an Ersatzmethoden mangelt.

1997 : Das in der Richtlinie 93/35/EWG vorgesehene Verbot wird durch die Richtlinie 97/18/EG auf den 30. Juni 2000 verschoben.

2000 : Durch die Richtlinie 2000/41/EG wird das Verbot auf den 30. Juni 2002 verschoben. Eine 7. Änderung der Kosmetikrichtlinie wird lanciert.

2003 : Die neue Richtlinie 2003/15/EG hebt die Richtlinie 93/35/EWG auf und ersetzt sie. Vorgesehen sind zwei Verbote: 1) das Testen von Endprodukten an Tieren ab September 2004; 2) die Durchführung von Tierversuchen für Kosmetikprodukte und ihre Inhaltsstoffe sowie ihr Inverkehrbringen im europäischen Raum ab dem 11. März 2009. Für drei Tests (Toxizität bei wiederholter Verabreichung, Reproduktionstoxizität und Toxikokinetik) wird eine Frist gewährt – solche Versuche werden erst ab dem 11. März 2013 verboten.

September 2004 : Verbot von Tierversuchen für Endprodukte sowie Verbot von Tierversuchen für Inhaltsstoffe, wenn von der EU anerkannte Ersatzmethoden (ohne Verwendung lebender Tiere) bestehen

März 2009 : Das Verbot, an Tieren getestete Produkte und Rohstoffe zu verkaufen und Tierversuche, mit Ausnahme der drei in der Richtlinie 2003/15/EG erwähnten Tests,  durchzuführen, tritt in Kraft.



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Februar 2016

Südkorea will Tierversuche für Kosmetika verbieten

In Südkorea sollen ab 2018 sämtliche Tierversuche für die Herstellung von Kosmetika verboten werden. Das Verbot wird sowohl für Endprodukte als auch für Inhaltstoffe gelten.
Ein solch umfassendes Verbot ist zurzeit nur in der Europäischen Union, Israel, Norwegen und Neuseeland in Kraft.

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