Artikel erschienen im September
2006 in der Mitgliederzeitschrift der SLGV
L’Oréal
leistet sich den Body Shop…
Weil ich es mir wert bin?
Für 945 Millionen Euros kaufte der weltweit bekannte Kosmetikriese
L’Oréal diesen Februar den britischen Body Shop auf. Der
Rat des Body Shops erklärte sich mit der Übernahme einverstanden.
Mit über 2000 Geschäften in 54 Ländern und einem Gewinn
von 57 Millionen Euros bei einem Umsatz von 600 Millionen Euros im
Jahr 2005 verschafft das britische Unternehmen L’Oréal
in den Augen der Öffentlichkeit ein „ethischeres“ Image
und ermöglicht es ihm gleichzeitig, viel Geld zu verdienen.
Laut einer Pressemitteilung von L’Oréal soll Body Shop,
an dem die Gründer Anita und Gordon Roddick einen Anteil von 18%
behalten, eine von der Gruppe L’Oréal unabhängige
Einheit bleiben. Die jetzige Führung soll auch weiterhin bestehen.
Anlässlich einer Pressekonferenz, die Lindsay Owen-Jones, der
CEO von L’Oréal, in einem grossen Londoner Hotel erteilte,
verlieh Anita Roddick ihrem „Staunen“, aber auch
ihrer „Freude“ (sic!) Ausdruck, „sich mit
der weltweit grössten Kosmetikfirma zu verbinden“.
In einem kleinen Geschäft in
England nahmen die Roddicks ihre Tätigkeit 1976 auf. Es scheint
lange her zu sein, dass das Paar nur Produkte mit natürlichen
Inhaltsstoffen aus Entwicklungsländern
verkaufte, die in Recycling-Verpackungen daherkamen. Seit mehreren
Jahren weisen Naturschutzverbände und Konsumenten auf die zahlreichen
chemischen Substanzen hin, die in den Produkten verwendet werden.
Darf der Body Shop
auch weiterhin auf der Liste der nicht an Tieren
getesteten Kosmetik
aufgeführt werden?
Mehr als jede andere Kosmetikfirma
hat der Body Shop im Laufe seiner Firmengeschichte dazu beigetragen,
die Öffentlichkeit auf die
grausamen Tierversuche hinzuweisen, die in der Kosmetikbranche praktiziert
werden. Sein Kampf gegen solche Tests stellte nicht einfach ein Marketingargument
dar. Verschiedenste Aktionen wie die finanzielle Unterstützung
zahlreicher Verbände, die sich gegen die Vivisektion einsetzen,
machten das Engagement glaubwürdig. Übrigens war der Body
Shop das einzige Geschäft, das uns an einem öffentlichen
Informationsstand mit Elektrizität versorgte.
Heute zeichnet sich ein ganz anderes Szenario ab. Mit einem Anteil
von 18% haben die Roddicks nicht mehr viel zur künftigen Firmenpolitik
des Body Shops zu sagen. Zudem hat sich L’Oréal derart
für Tierversuche engagiert, dass wir uns keine Illusionen über
die Haltung gegenüber dem Respekt machen, den der Body Shop bis
anhin den Tieren gegenüber an den Tag gelegt hat.
Es wird in keiner Weise gewährleistet sein, dass in den Produkten
des Body Shops auch weiterhin auf Substanzen verzichtet wird, die an
Tieren getestet wurden. Infolgedessen werden wir diese Marke wahrscheinlich
demnächst von unserer Liste der nicht an Tieren getesteten Kosmetik
zurückziehen. In Anbetracht des Wirbels, den der Aufkauf des Body
Shops in Übersee verursacht hat, ist zudem anzunehmen, dass bewusste
und aktive Konsumenten ihre Produkte nicht mehr bei einer Firma kaufen,
deren Gewinne diejenigen von L’Oréal noch vergrössern.
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